600 Verbund-Millionen ins Zillertal

Der Verbund Hydro Power plant, sein Kraftwerk in Mayrhofen per 27 km langem Stollen mit dem Inn zu verbinden und ein Kraftwerk in Rotholz zu errichten. Rund 600 Millionen Euro würde die Umsetzung kosten.

Von Angela Dähling

Mayrhofen –Die strengen EU-Wasserrichtlinien, die in Österreich bis spätestens 2027 umgesetzt sein sollen, lassen beim Verbund Hydro Power die Köpfe rauchen. Vor allem die darin vorgeschriebene Schwallreduktion stellt den Stromriesen im Zillertal vor Probleme.

Derzeit wird im Schnitt die 30-fache Wassermenge im Vergleich zum Niedrigwasserstand bei Mayrhofen in den Ziller für die Stromerzeugung eingeleitet. „Dieses Verhältnis von 1:30 könnte gemäß der Wasserrichtlinie auf 1:5 gesenkt werden“, erklärt der Zillertaler Werksgruppenleiter Heinz Nyvelt. „Damit würde das Kraftwerk in Mayrhofen massiv entwertet werden und verlöre dadurch erheblich an Leistung.“ Daher werde ein Fluss benötigt, der das Einleiten einer größeren Wassermenge bzw. den besagten Schwall besser verkrafte. Das wäre der Inn.

Der Verbund plant deshalb eine unterirdische Leitung von seinem Kraftwerk in Mayr­hofen Richtung Westen und dort einen 27 Kilometer langen Stollen tief im Felsgestein bis nach Rotholz sowie eine Verbindung mit dem Inn. „Auf einer Höhe von zirka 640 Metern Seehöhe würde der Stollen rund einen Kilometer im Berginnern talauswärts verlaufen und dabei zirka 120 Meter Höhendifferenz überwinden“, erläutert Projektleiter Marco Fiegl.

Das Wasser, das u. a. über die Kraftwerke Häusling und Rosshaag im Stillupspeicher mündet und von dort via Mayrhofner Kraftwerk derzeit im Ziller landet, würde so stattdessen im Stollen und weiterführend im Inn landen. „Natürlich wird weiterhin ein Teil dem Ziller zugeführt. Wie viel, das muss noch alles eruiert werden“, sagt Fiegl.

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In Rotholz ist ein Krafthaus mit Pumpturbinen geplant. Dadurch könnte Wasser retour gepumpt und somit gespeichert werden. „So könnten wir die bisherige Stromerzeugung der Kraftwerksgruppe Zillertal um zehn Prozent steigern“, schildert Nyvelt. Im Zillertal werden jährlich 1600 Gigawattstunden Strom erzeugt, durch Rotholz kämen 170 Gigawattstunden hinzu. Es sollen auch der Sidanbach (Schwendau), der Talbach (Zell), der Riedbach (Ried), der Finsingbach (Fügen) und der Öxelbach (Schlitters) miteingebunden werden.

Mit einer Investitionssumme von zirka 600 Mio. Euro ist dies das derzeit größte Projekt des Verbund-Konzerns. „Wir stehen noch ganz am Anfang des Projekts, müssen noch viele Daten erheben und Bohrungen machen. Auch seitens des Verbunds ist das Projekt noch keine beschlossene Sache“, erklärt Fiegl. Die Bauzeit beziffert er auf ca. vier bis fünf Jahre. Erhebungen und Verfahren könnten noch mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Die Bürgermeister des Tales, Fischereiberechtigte, etliche Grundbesitzer etc. seien bereits informiert, der erwartete große Aufschrei bisher ausgeblieben. Die Region soll per Aufstockung des Talvertrags an dem Projekt beteiligt werden. Ein Angebot sei laut Fiegl bereits gelegt.


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