EU macht Weg frei für Fracking und gibt Klimaziele auf

Trotz potenzieller Umweltgefahren will die EU-Kommission keine strengeren Auflagen für die Schiefergas-Fördertechnologie. Gleichzeitig verabschiedet sich die Behörde von verbindlichen Zielen beim Klimaschutz.

Die britische Regierung hat wegen der Gefahr von Erdbeben das Fracking vorerst ausgesetzt.
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Brüssel – Die Fracking-Technik zur Förderung von Schiefergas ist sehr umstritten. Kritiker befürchten durch die Tiefenbohrungen vor allem eine Verunreinigung des Grundwassers und warnen vor unabsehbaren Umweltschäden.

„Fracking“ (Hydraulic Fracturing) ist eine Methode vor allem der Erdöl- und Erdgasförderung, bei der in Tiefbohrungen eine Chemikalie eingepresst wird, um im Schiefergestein Risse zu erzeugen, aufzuweiten und zu stabilisieren. Dadurch wird die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit der Gesteinsschicht erhöht, damit Erdgas oder Erdöl leichter zur Bohrung hin fließen können.

An der EU scheinen diese Bedenken abzuprallen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, verzichtet Brüssel auf neue europäische Gesetze zur Regulierung der Gasfördertechnik. Statt gesetzlicher Regeln will die EU-Kommission lediglich unverbindliche Mindestanforderungen für den Umwelt- und Gesundheitsschutz, heißt es in der FAZ.

Umweltverbände und Europa-Abgeordnete hatten strikte Auflagen für Fracking gefordert. Industrieverbände und auf Schiefergas setzende Staaten wie Großbritannien oder Polen leisteten jedoch massive Gegenwehr. Der britische Premier David Cameron schrieb unlängst in einem Brief an Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, dass die Fracking-Technik sicher und nachhaltig ohne neue EU-Gesetze geregelt werden könne.

In den USA ist Fracking längst zu einem wichtigen Faktor für die Unabhängigkeit von Gasimporten geworden. Erdgas ist aufgrund dessen in Europa drei bis vier Mal so teuer wie in Amerika.

EU gibt Vorreiterrolle bei Klimaschutz auf

Während Fracking intensiviert werden soll, verabschiedet sich die EU gleichzeitig von ihren verbindlichen Vorgaben zum Ausbau erneuerbarer Energien. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) plädierte Barroso dafür, dass die Pflicht, den Anteil der Öko-Energien am Gesamt-Energiemix weiter zu steigern, 2020 auslaufen soll. Bis 2030 soll dann kein weiteres verbindliches Ziel vereinbart werden.

Auch ein neues Ziel zur Steigerung der Energieffizienz bis 2030 soll nicht definiert werden. Damit wäre die Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes die einzige verbindliche Vorgabe für das kommende Jahrzehnt. Am Mittwoch kommender Woche sollen die neuen Klimaziele laut SZ präsentiert werden.

Damit gibt die EU ein Stück weit ihre Vorreiterrolle im weltweiten Klimaschutz auf. Es soll künftig weitgehend den Mitgliedsstaaten überlassen werden, in welcher Größenordnung sie Sonnen-, Wind- oder Wasserenergie fördern. (tt.com, faz.de, sz.de)

Die Technologie ist unter anderem deshalb umstritten, weil durch die eingesetzten Chemikalien das Trinkwasser verunreinigt werden könnte.
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