Großes Geschäft mit dem Medizin-Test

Die 1500 Studienplätze für das Medizin-Studium sind heiß begehrt. Vorbereitungskurse boomen, durchschnittlich 650 Euro lassen sich die Bewerber die Chance auf das Medizin-Studium kosten. Doch auch Kritik wird immer lauter.

Von Peter Nindler

Innsbruck –8360 Studienwerber haben im Vorjahr an den Medizinischen Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck den Aufnahmetest für 1500 Plätze absolviert, 2109 waren es in Innsbruck. 400 Studienplätze wurden in Innsbruck vergeben, davon 300 an österreichische Maturanten. Die Quotenplätze sind heiß begehrt, auch bei den deutschen Nachbarn. Der Druck steigt, vor allem auf die heimischen Maturanten. Selbst wer einen naturwissenschaftlichen Zweig mit Biologie, Chemie, Mathematik und Physik absolviert, muss erkennen, dass dies zwar beim Test hilft, aber nicht mehr. Der Basiskenntnistest, der die medizinrelevanten Grundlagenfächer wie Biologie, Chemie, Physik und Mathematik testet, fließt laut Medizin-Uni zu 40 Prozent in die Bewertung ein. Dazu werden noch Textverständnis mit 10 Prozent), die kognitiven Fähigkeiten (Wahrnehmung) mit 40 Prozent und akademisches Denken mit 10 Prozent bewertet.

Doch das universitäre Selektionssystem treibt nicht nur seltsame Blüten, sondern wurde zu einem großen Geschäft. Die Vorbereitungskurse boomen, die Kurskosten für 80 Unterrichtseinheiten betragen durchschnittlich 650 Euro. Natürlich gibt es noch Extras um 130 Euro für Testsimulationen und, und, und. Deutsche Bewerber lassen sich den von Lerninstituten angepriesenen „Traum vom Medizin-Studium“ in Österreich bis zu 2000 Euro kosten.

Selbst die Länder haben ein Interesse, dass die Maturanten Vorbereitungskurse besuchen, um so ihre Chancen zu erhöhen. Tirol fördert Probetests, Niederösterreich steuert 360 Euro zu Kursen und Testsimulationen bei und das Burgenland bietet sogar kostenlose Seminare dazu an.

Reinhard Tschaikner vom IFS Studentenkurse – Institut Dr. Rampitsch in Innsbruck schätzt, dass mindestens ein Drittel der heimischen Medizin-Bewerber Vorbereitungskurse absolviert. „Es geht bei den Kursen auch um ein Training für die Prüfung, das Erkennen von Fallstricken und das Umgehen mit Multiple-Choice-Fragen (mehrere Antwortmöglichkeiten).“ Tschaikner führt die punktgenaue Vorbereitung auf die Prüfungssituation ins Treffen.

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Nachfrage schafft Angebot, die Lerninstitute versuchen diese zu befriedigen. Drei Millionen Euro dürften österreichweit dafür ausgegeben werden, in Tirol rund eine Million. Über Zahlen hält man sich bedeckt, die tatsächlichen Summen dürften jedoch wesentlich höher liegen. Denn inoffiziell gelten die Vorbereitungskurse mittlerweile als unverzichtbar für den Mediziner-Test.

Dieses gezielte Auf-den-Test-Hintrainieren – auch im Internet ist zwischenzeitlich ein lukrativer Markt dafür entstanden – sorgt in Mediziner-Kreisen mittlerweile für Kopfschütteln. „Ob wir hier tatsächlich die richtigen Leute bekommen?“, wird hinter vorgehaltener Hand an der Klinik gemunkelt.

Massive Kritik kommt hingegen von Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl. „Diese Entwicklung kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein.“ Da werde ein Aufnahmetest für das Medizinstudium eingeführt, aber um diesen zu schaffen, benötige es dann wieder teure Vorbereitungskurse. „Das System ist falsch, wenn das in der Schule Gelernte nicht ausreicht.“ Die Situation schließe nahtlos an die überbordende Nachhilfeproblematik an.

Über die Anzahl von Teilnehmern bzw. die Erfolgsquote der Vorbereitungskurse kursieren lediglich Spekulationen. „Es gibt keine Untersuchungen an der Medizinischen Universität Innsbruck, die zeigen, ob TeilnehmerInnen, die am Medizin-Aufnahmeverfahren teilgenommen haben, vorher einen Vorbereitungskurs absolviert haben“, heißt es von der Medizin-Uni Innsbruck. Man wisse auch nicht, auf welcher fachlichen Information die Vorbereitungskurse basierten.

Das Institut für Testforschung und Testtraining in Köln lockt Bewerber für den Medizin-Aufnahmetest mit einer selbst definierten Erfolgsquote von 84 Prozent.


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