Nachhilfedruck: Schule soll mehr leisten

Um die Nachhilfe einzudämmen, fordern 88 Prozent der Tiroler Eltern, dass in der Schule mehr geübt wird.

Von Katharina Zierl

Innsbruck –Zwei Drittel der Tiroler Eltern lernen täglich oder zumindest mehrmals pro Woche mit ihren Kindern und kontrollieren die Hausaufgaben. Drei von zehn Eltern tun sich schwer damit, ihrem Nachwuchs bei den Hausaufgaben zu helfen und das Wissen vor Tests oder Schularbeiten zu überprüfen. Der Druck, die geforderte Leistung in der Schule zu bringen, wird nicht nur bei den Kindern immer größer, wie eine aktuelle Studie im Auftrag der Tiroler Arbeiterkammer zeigt.

Ein Drittel der Eltern gibt an, durch das Helfen und Beaufsichtigen beim Lernen und Aufgabemachen zeitlich sehr belastet zu sein. Wenn der Druck zu groß wird, müssen viele auf externe Nachhilfe zurückgreifen. 28 Prozent der Tiroler Eltern bestätigen, dass ihr Kind externe Nachhilfe benötigt. Nicht zuletzt finanziell eine große Belastung. Auf rund 535 Euro pro Kind belaufen sich die Nachhilfekosten im Schnitt pro Jahr. Immerhin vier von zehn Eltern, die für Nachhilfe zahlen, fühlen sich laut Umfrage dadurch sehr stark oder zumindest spürbar belastet.

Ein Zustand, der so nicht mehr tragbar sei, wie SP-Landtagsabgeordneter Thomas Pupp in einem Antrag erklärt. „Beginnend mit dem Schuljahr 2014/15 fordern wir die Landesregierung deshalb auf, einen Nachhilfe-Scheck bereitzustellen“, sagt Pupp. Die Kriterien, die für die Schulstarthilfe gelten, sollten dazu herangezogen werden: „Wir haben die Daten und wissen, welche Familien Hilfe benötigen. Und genau die sollen als vorübergehende Lösung auch bei der Nachhilfe finanzielle Unterstützung bekommen – bis die Reformen im Bildungswesen greifen“, sagt der Landtagsabgeordnete.

Bildungslandesrätin und Landesschulratspräsidentin Beate Palfrader erklärt, Reparaturkosten wie eben bei der Nachhilfe seien nicht der richtige Weg: „Vielmehr muss in die Prävention investiert werden.“ Dazu müsse laut Palfrader allerdings das Bildungssystem massiv geändert werden: „Klassenteilungen würden etwa dazu beitragen, dass die Lehrer mehr Zeit für den einzelnen Schüler haben.“

Auch die Nachmittagsbetreuung müsse verstärkt werden. Ganz ohne Nachhilfe werde man wohl nie auskommen, erklärt die Bildungslandesrätin: „Dass die derzeitige Belastung für Lehrer und auch für Schüler reduziert werden muss, steht aber außer Frage.“

Für 88 Prozent der Tiroler Eltern wäre laut AK-Umfrage eine wichtige Maßnahme zur Eindämmung der Nachhilfe, dass man sich in der Schule viel mehr Zeit zum Üben des Stoffes nimmt. Auch dass Klassenteilungen in einzelnen Fächern sinnvoll wären, glaubt die Mehrheit der Eltern. 87 Prozent sprechen sich für kleinere Unterrichtsgruppen aus.


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