Großes Solo für Domingo

Das Theater an der Wien spielt Verdis „I due Foscari“. Plácido Domingo zeigt unverwüstliche Größe im Baritonfach neben einer schwachen Restbesetzung.

Im Verdi-Frühwerk „I due Foscari“ agiert Plácido Domingo in einer Art Disney-Venedig.Foto: APA/Neubauer
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Von Stefan Musil

Wien –Natürlich gab es am Ende den großen Jubel für Plácido Domingo. Dennoch, dieser Opernabend im Theater an der Wien wurde insgesamt kein großer. Aber so passiert es, wenn man offenbar blind einkauft, wo Plácido Domingo draufsteht. Er ist jedenfalls das Zugpferdchen für Giuseppe Verdis „I due Foscari“. Dieses reizvolle Frühwerk, nach dem frühen Sensationserfolg „Ernani“ 1844 für Rom komponiert, zieht seit Herbst 2012 durch die Lande und über die Kontinente.

In Los Angeles fiel der Startschuss, an dem Opernhaus, das Domingo gemeinsam mit dem Dirigenten James Conlon, der jetzt auch in Wien am Pult steht, leitet. Weiter zog der Operntross nach Valencia, und nach der Wiener Station wird noch der vierte Koproduktionspartner, Londons Covent Garden, das Leben und Sterben des alten Dogen Francesco Foscari mit Domingo erleben. Denn auch diesmal ist es wieder eine Baritonrolle, in der der bald 73-jährige Sänger seinen Fans die Aufwartung macht. In dieser Verdi-Oper deckt sich das Alter des Sängers mit dem seiner Partie sogar beinahe perfekt. Der alte Doge muss im Venedig des Jahres 1457, nach 34 Jahren Regentschaft, erleben, wie ihm der letzte Lebende seiner Söhne durch einen Justizirrtum genommen wird und auf der Galeere, die ihn in die Verbannung bringen soll, stirbt. Nachdem der Doge am Ende auch noch zur Abdankung gezwungen wird, segnet er bühnenwirksam das Zeitliche.

Das ergibt einige schöne Soloszenen und ein paar Ensemblestellen für den scheinbar unverwüstlichen Domingo. Selbst wenn nach seinen langen Tenorjahren aus ihm kein echter Bariton geworden ist, bringt Domingo diese Rolle mit Kraft, ungebrochener Präsenz und dem immer noch aufblitzenden Schmelz seiner Stimme durchaus imponierend über die Rampe. All das kann man vom Rest der Besetzung in Wien nicht behaupten. In der Partie von Sohn Jacopo stemmt sich Tenor Arturo Chacón-Cruz im Dauerforte und mitunter am Rande des stimmlichen Kollaps durch den Abend und mit etwas verhangen schrillem Sopran müht sich Davinia Rodriguez als seine Frau Lucrezia. Gut, wenn auch nicht unbedingt Verdi-geeicht, entledigt sich der Arnold Schoenberg Chor seiner Aufgabe. Die übrigen kleineren Partien sind allesamt unterbesetzt. Unbarmherzig brutal pflügt James Conlon durch die Partitur und das ORF Radio-Symphonieorchester folgt artig.

Die vor Konvention strotzende und mit unfreiwilliger Komik erheiternde szenische Verpackung für diese Domingo-Show steuert der junge Amerikaner Thaddeus Strassberger bei. Mit Bühnenbildner Kevin Knight und Kostümbildnerin Mattie Ullrich kreiert er eine Art Disney-Venedig: Erklärende Zwischentexte im Zeichentrickstil werden auf den Vorhang projiziert, die Damen tragen Fantasy-Mittelalter mit Spitzhäubchen, dem Dogen wurden riesige Strasssteine auf sein Parade-Häubchen geklebt. Durch ein zerborstenes Gemäuer auf Stelzen führt eine Brücke. Auf dieser marschieren verschleierte Jungfrauen auf, bekreuzigen sich, recken am Ende die Arme zum Himmel. Doch das hilft nichts mehr. Dieser Verdi-Abend bleibt verloren.


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