Türkei: Erdogan greift Rivalen Gülen direkt an

Der angeschlagene Regierungschef wirft seinem früheren Mitstreiter vor, ein „Imperium der Angst“ zu führen.

Neben der massenhaften Umbesetzung von Richterstellen bereiten vor allem die Dekrete Sorge, die von Präsident Recep Tayyip Erdogan unter dem Ausnahmezustand erlassen wurden.
© REUTERS/EDGAR SU

Ankara - Der wegen einer Korruptionsaffäre in den Reihen seiner Regierung angeschlagene türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat seinem Rivalen Fethullah Gülen offen den Krieg erklärt.

In einer Rede vor türkischen Botschaftern aus aller Welt in der Hauptstadt Ankara warf Erdogan seinem früheren Mitstreiter aus dem islamisch-konservativen Lager am Mittwoch vor, ein „Imperium der Angst“ zu führen. Dieses habe Gülen „in der Justiz und der Polizei errichtet“.

Es war das erste Mal seit dem Beginn der politischen Turbulenzen um Erdogan im Dezember, dass dieser den in den USA lebenden islamischen Prediger Gülen, der besonders in Justiz und Polizei über Einfluss verfügt, direkt erwähnte. Er rief die Diplomaten auf, in der Welt das „wahre Gesicht“ von Gülens Organisation namens Hizmet zu enthüllen. Die Botschafter sollten in den Staaten, in denen sie arbeiten, das „Ausmaß der Gefahr“ darlegen.

Erdogans Regierung sieht sich seit Mitte Dezember mit einem riesigen Korruptionsskandal konfrontiert. Unter anderem geht es um bestochene Politiker, verheimlichte illegale Goldgeschäfte der staatlichen Halkbank mit dem Iran sowie um rechtswidrige Bauvorhaben. Dutzende Menschen, darunter auch die Söhne von zwei Ministern, wurden festgenommen.

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Im Zuge der Affäre wurden zudem hunderte Polizisten strafversetzt und fast das halbe Kabinett ausgetauscht. Auch gegen die Justiz erhob Erdogan schwere Vorwürfe. Er betrachtet die Ermittlungen als Verschwörung regierungsfeindlicher Kräfte mit dem Ziel, seiner Partei AKP vor den Kommunalwahlen Ende März zu schaden. (APA/AFP)


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