Weniger als die Hälfte der Ägypter legitimieren neue Verfassung

Aufgrund eines Boykottaufrufs der Muslimbrüder lag die Wahlbeteiligung bei unter 50 Prozent. Die Regierung dankte den „Massen“ der Wähler für die „heroische Schlacht“, die sie geschlagen haben.

Kairo - Bei der Volksabstimmung in Ägypten zeichnet sich weiter eine überwältigende Zustimmung für die neue Verfassung ab. Nach Auszählung in mehr als der Hälfte aller Provinzen stimmten rund 90 Prozent der Wähler mit Ja. Allerdings blieb die Wahlbeteiligung nach ersten Angaben ägyptischer Medien vom Donnerstag deutlich unter 50 Prozent.

Das dürfte vor allem an einem Boykottaufruf der islamistischen Muslimbrüder liegen. Das Militär hatte die Islamisten nach Massenprotesten im Juli 2013 entmachtet. Ein Sprecher des Militärs dankte am Donnerstag den „Massen“ der Wähler, die sich an der „heroischen Schlacht des Referendums“ beteiligt hätten. Ein offizielles Abstimmungsergebnis wird erst am Samstag erwartet.

Privilegien des Militärs festgeschrieben

Die neue Verfassung stärkt die Freiheitsrechte der Bürger und macht die unter den Islamisten beschlossenen Reformen rückgängig. Diese hatten der islamischen Religion mehr Gewicht verschafft. Gleichzeitig wurden jetzt Privilegien des Militärs festgeschrieben. Kritiker sehen in dem Entwurf vor allem den Versuch der Streitkräfte, ihre Macht abzusichern.

Die Webseite der Zeitung „Al-Shorouk“ meldete, in der Nacht sei während der Auszählung der Stimmen ein Wahllokal in Kairo unter Beschuss geraten. Es entstand aber nur Sachschaden.

Neun Tote, 444 Festnahmen

Am Dienstag, dem ersten Tag der Abstimmung, waren bei Ausschreitungen neun Menschen getötet worden. Am Mittwoch blieb es dagegen vergleichsweise ruhig, auch wenn erneut Dutzende Menschen festgenommen wurden. Insgesamt nahmen die Sicherheitskräfte nach Angaben des Innenministeriums im Verlauf der Abstimmung 444 Menschen in Gewahrsam, weil sie „den Referendumsablauf gestört“ haben sollen.

Viele Ägypter bekundeten während der zweitägigen Volksabstimmung vor den Wahllokalen ihre Unterstützung für den Militärchef Abdel Fattah al-Sisi. Er gilt als möglicher Präsidentschaftskandidat. (APA/dpa)


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