Aphrodites Standesamt blüht auf

Trauungen sind in Zypern auch für konfessionelle Mischehen möglich. Und das kurbelt den Tourismus der Insel an.

In Nikosia können Paare ohne oder mit unterschiedlichen Religions­bekenntnissen in historischen Gebäuden heiraten.Foto: Thinkstock
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Larnaka –Zypern, die „Insel der Aphrodite“, der griechischen Göttin der Liebe, macht ihrem Beinamen alle Ehre. In Scharen zieht das EU-Land Heiratswillige aus Israel und dem Libanon an, wo konfessionelle Mischehen oder zivile Trauungen von Nicht-Religiösen unmöglich sind. Ganze Hochzeitsgesellschaften reisen über das östliche Mittelmeer und das krisen­geschüttelte Zypern verdient gut daran.

„Wir haben nicht den gleichen Glauben“, sagt Johana schulterzuckend. In ihrem weißen Kleid aus dem Reisekoffer sieht die Braut bezaubernd aus. Die junge Libanesin gehört der Religionsgemeinschaft der Drusen an. Mit ihrem christlichen Verlobten ist sie aus Beirut nach Larnaka gekommen, Flugzeit 45 Minuten. „Beide Familien unterstützen diese nicht-kirchliche Heirat, weil das Wichtigste ist, dass das Paar glücklich ist“, sagt Lillija, eine mitreisende Freundin, nach der kurzen Zeremonie.

Obwohl es in beiden Ländern zaghafte politische Vorstöße gibt, auch standesamtliche Eheschließungen einzuführen, steigt die Zahl der Paare aus dem Libanon und Israel rapide an, die in Zypern den Bund fürs Leben schließen. Das kleine Inselland hat 1990 das zivile Traurecht eingeführt. Dass die Kommunalbehörden auch „zivile“ Preis­e von unter 300 Euro für die Dienstleistung kassieren, hat nach außen abgestrahlt.

Im Jahr 2012 registriert­e alleine das Rathaus der Küstenstadt Larnaka, nahe des internationalen Flughafens, 423 israelische Hochzeitspaar­e. Und die Zahl libanesischer Eheschließungen in Zypern verdoppelte sich zwischen 2007 und 2013. In beiden Herkunftsländern dieser Trau-Touristen werden ausländische Ehe-Urkunden umstandslos anerkannt.

Im Wartezimmer des Standesamts von Larnaka sitzt der Israeli Nathaniel, der sich als Atheist bezeichnet. Zehn Verwandte sind mit angereist. „Es ist ja keine große Hochzeit, wie die religiösen, und Zypern ist so nah, da konnten wir unsere engsten Familienmitglieder mitbringen“, sagt die Braut Hili strahlend. Ihre Schwägerin Rotem, die in Israel religiös heiratete, sagt mit leichtem Bedauern: „In unserem Land gibt es einfach nicht genug Optionen.“

Um den Köder noch fetter zu machen, bietet die Hauptstadt Nikosia historische Gebäude für Hochzeitsfeiern an; in Larnaka werden die Brautpaare mit Schmucksachen beschenkt. Antri Tzioni, ein örtlicher Standesbeamter, sieht sich als nachhaltigen Förderer des Fremdenverkehrs: „Wenn sie gute Erinnerungen an ihre Trauung hier haben, kommen sie sicher wieder.“ (APA, AFP)


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