Umweltanwalt sieht Stollen nach Rotholz positiv

Das 600 Mio. Euro schwere Stollenprojekt des Verbund-Konzerns im Zillertal stößt auf breite Zustimmung. Der Ziller würde profitieren.

Von Angela Dähling

Mayrhofen –Grundsätzlich positiv – so ist die Haltung im Zillertal bezüglich des geplanten 27 km langen Stollens, mit dem der Verbund Hydro Power sein Mayrhofner Kraftwerk mit dem Inn verbinden will. Wie berichtet, will der Energieriese durch das 600-Mio.-Euro-Projekt auf die neuen EU-Wasserrichtlinien vorbereitet sein. Sie könnten das Mayr­hofner Kraftwerk unrentabel machen, weil der jetzige Schwallbetrieb nicht mehr genehmigungsfähig wäre.

„Bei einer Sitzung des Planungsverbandes wurden die Bürgermeister des Tales vom Verbund über die Pläne informiert“, sagt der Schwendauer Bürgermeister Franz Hauser. „Grundsätzlich haben wir kein Problem damit. Ein trockenes Bachbett wollen wir aber schon aus touristischen Gründen nicht. Eine konstante Wassermenge im Ziller hätte aber viele Vorteile“, meint Hauser, für den auch eine Einbindung des Sidanbaches vorstellbar ist. Der Fügener Bürgermeister Walter Höllwarth sieht auch die Einbindung des Finsingbaches positiv. „Erst recht, wenn es auch der Sicherheit dient“, meint er. Für den Mayr­hofner Bürgermeister Günter Fankhauser stellt sich die Frage der Bauabwicklung des Großprojektes, dessen Bauzeit laut Projektleiter Marco Fiegl vier bis fünf Jahre in Anspruch nehmen würde. „Mit welchen Auswirkungen muss die Bevölkerung und der Tourismus rechnen?“, fragt er sich. Es seien in einigen Gemeinden des Tales auch zeitweilige Deponieflächen geplant, ergänzt Hauser.

Verbesserungen für die Fischerei erwartet sich der Bezirksobmann des Tiroler Fischereiverbandes Hermann Kröll aus Mayrhofen. „Wir geben keine Tageskarten mehr aus, weil der Schwallbetrieb, der oft gegen 9 Uhr einsetzt, das Fischen unmöglich macht“, sagt er. Wenn Fische bei mittlerem Wasserstand laichen und dann durch das Kraftwerk wieder Niedrigwasser herrsche, würden Eier absterben. Auch der Tiroler Umweltanwalt Johannes Kostenzer hält die Stollen-Pläne samt Druckleitung für „vernünftig und überlegenswert“ und spricht von einer Win-win-Situation. „Der Ziller ist derzeit durch den massiven Schwall fast ein totes Gewässer und man kann daher beinahe nur mit Verbesserungen rechnen“, sagt er. Die Auswirkungen auf den Inn gelte es aber zu untersuchen. Kritisch sieht Kostenzer, dass weitere Bäche entlang der Strecke eingebunden werden sollen.

Das Stollenprojekt ist nicht neu. Professor Kurt Ingerle, seinerzeit Gutachter beim Institut für Umwelttechnik, hatte den damaligen Tauernkraftwerken die Stollenverbindung mit dem Inn bereits vor rund 20 Jahren nahegelegt.


Kommentieren


Schlagworte