Bei Banken wackeln Jobs und Filialen

Tirols Banken stöhnen unter einer Kostenlawine und drehen an der Kosten- und Preisschraube. Das Vertrauen bleibt weiter erschüttert.

Innsbruck –Tirols Bankenobmann Gerhard Schwaiger hat am Donnerstag erneut wegen einer drohenden Kostenlawine Alarm geschlagen und Preiserhöhungen angekündigt. Auf 60 bis 100 Mio. Euro schätzt Schwaiger die Mehrkosten, die Tirols Regionalbanken künftig pro Jahr zusätzlich stemmen müssten. Gründe für den Kostenschub seien die erhöhte Bankenabgabe, die neuen verschärften Kapitalvorschriften (Basel III) sowie die geplanten europäischen Abwicklungs- und Einlagensicherungsfonds.

Schwaiger erwartet, dass die Banken „die Gebühren quer durch den Gemüsegarten“ erhöhen werden. Vor allem aber müssen sich die Tiroler Kreditnehmer auf steigende Kosten einstellen. Wann an der Preisschraube gedreht wird, wollte Schwaiger nicht abschätzen. Die Marktführer würden wohl bald vorpreschen. Würden die Institute die Kreditkosten um 1 % erhöhen, könnten sie die Mehrkosten abfangen, rechnete Schwaiger vor. Er räumte jedoch ein, dass derartige Preiserhöhungen am Markt schwer durchsetzbar sein dürften.

Die Tiroler Banken werden daher wohl auch weiter kräftig sparen müssen. Von 2008 bis 2012 sind in Tirol bereits 404 Bankenjobs weggefallen. „Diese Tendenz wird sich fortsetzen“, meinte Schwaiger. Auch würden wohl weitere Filialen geschlossen werden. In Tirol gibt es aktuell 98 Banken mit 431 Zweigstellen und rund 7000 Mitarbeitern. 2013 erwirtschafteten sie zusammen einen risikobereinigten Gewinn von rund 230 Millionen Euro (+5 %), während das Jahresbetriebsergebnis um 6 % auf 329 Mio. Euro sank, teilte Schwaiger gestern mit. Das Kreditvolumen ist im Vorjahr um rund 1 % gesunken. Heuer soll es hier wieder ein kleines Plus von 1 bis 2 % geben.

Tirols Banken haben indes wieder ein Vertrauensbarometer beim Meinungsforscher GfK in Auftrag gegeben. Ergebnis: Das Vertrauen in die Banken bleibt erschüttert, auch wenn eine leichte Erholung sichtbar ist. Nur jeder Dritte kann zu Banken Vertrauen fassen. Jeder Vierte misstraut den Instituten, der Rest sagt „weder noch“. Allerdings erklärten auch zwei Drittel, dass sie ihrer Hausbank schon vertrauen. „Die eigene Hausbank spielt in einer anderen Liga“, so GfK-Experte Alexander Zeh.

Die drohenden weiteren Filialschließungen würden wohl zu mehr Bewegung am Markt führen, meinte Zeh. 23 % gaben an, sich im Fall einer Schließung ihrer Bankfiliale zu überlegen, deswegen die Bank zu wechseln. 36 % ist das hingegen egal, 39 % würden sich eine andere Filiale suchen.

Weiter unter Druck geraten in Tirol die Sparprodukte. Einen anhaltenden Höhenflug verzeichnet hingegen der Bausparvertrag. Signifikant auf 7 % gestiegen ist der Anteil jener, die angeben, Geld bei sich zu Hause anzusparen. Bundesweit tun das bereits 14 %. „Das ist ein Alarmsignal für die Banken“, betonte Zeh. (wer)


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