Im Küchenstuhl auf den Berg

Wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer und auch nicht die Österreicher. Der erste Sessellift stand in Sun Valley/USA. Heute tummelt sich in dem Resort die US-Prominenz.

© APA (dpa/tmn/Sun Valley Resorts)

Sun Valley –Von wegen Alpenländle: Der allererste Sessellift surrte 1936 durch den wilden amerikanischen Nordwesten. „Come on“, winkt Mike Fitzpatrick und stapft schon mal voran zu einer Art Mini-Förderturm auf Schienen mit rostiger Seilrolle obenauf. Ein schlaffes Stahlkabel verknüpft eine windschiefe Reihe knarrender Holzmasten. Dazwischen schaukeln harte Metallsitze. Die Originalexemplare seien viel gemütlicher gewesen, grinst Fitzpatrick, wie „gepolsterte Küchenstühle mit Wadenstützen“. Dieser bescheidenen Anlage verdankt Sun Valley (Ohio) im Nirgendwo von Idaho seinen steilen Aufstieg zum Wintersportort der Weltklasse.

Alle waren sie schon hier, in Amerikas erstem richtigen Resort. Goldgerahmt sind Hollywood-Stars, Millionäre und Magnaten in den langen Fluren der alten „Sun Valley Lodge“ verewigt: Jacqueline Kennedy im Norwegerpulli mit Pudelmütze. Marilyn Monroe stöckelt in Seidenstrümpfen durch den Schnee. Ernest Hemingway posiert mit Schrotflinte. Nach Arnold Schwarzenegger ist sogar eine schwere schwarze Abfahrt benannt. Die Obama-Töchter wurden erst neulich auf den Pisten gesichtet.

Die ersten Gäste sollten nicht lang die Hänge heraufschnaufen, um kurz runterzurutschen. Also ließ Gründer Harriman seine Bahningenieure den Sessellift erfinden, aus einer umkonstruierten Verladeanlage für Bananenfrachter. Gleich zwei davon wurden 1936 auf dem Dollar und dem Proctor Mountain installiert, ein dritter 1938 auf dem Ruud Mountain. „Und der ist einzig und allein noch übrig“, sagt Mike Fitzpatrick nickend.

Inzwischen gibt es 18 moderne Lifte, zwei Zauberteppiche und eine Acht-Personen-Gondel, die ein Netzwerk von 80 ausgewiesenen Abfahrten auf zwei Bergen bedienen. Nur zehn Minuten braucht der Vierer-Supersessel „Challenger“ für die 1000 Höhenmeter hinauf auf den Hauptberg Bald Mountain. „Bald“ heißt „kahl“: Auf dem baumlosen Gipfel eröffnen sich breite, anspruchsvolle Bowls mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

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Zwei Drittel von Baldys Abfahrten sind als leicht oder mittelschwer klassifiziert. Das Terrain ist vielfältig ohne lahme Ziehwege oder langweilige Schneewiesen. Über einen Kilometer lang sind die Superpisten hinunter nach Warm Springs. Der obere Teil startet mit schwarzen Abfahrten wie „Limelight“ oder „International“. Wenn die Beine müder werden, stehen weiter unten parallel zu mittelschweren blauen Hängen auch leichte grüne Abfahrten zur Auswahl. (APA, dpa)


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