Blockade in Bangkok: Festnahme von Protestführer angeordnet

Thailands Regierung und die Opposition verschärfen gegenseitig den Druck. Nun soll ein Sonderkommando Protestführer Suthep festnehmen.

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Bangkok - Nach vier Tagen Massenprotesten und Verkehrsblockaden in Bangkok erhöhen die Behörden jetzt den Druck auf Protestanführer Suthep Thaugsuban. Ein Sonderkommando sei mit seiner Festnahme beauftragt worden, zitierte der öffentlich-rechtliche Rundfunk PBS am Donnerstag den Leiter der Einsatzzentrale der Regierung (Capo), Vize-Regierungschef und Außenminister Surapong Tovichakchaikul.

Gegen Suthep liegt seit Dezember ein Haftbefehl wegen Anzettelung eines Aufstands vor. „Wir müssen geduldig sein“, sagte der Polizeichef nach diesen Angaben. „Wenn die Polizei mich festnehmen will, bitte schön“, sagte Suthep nach Angaben des staatlichen Senders MCOT. „Ich bin zum Kampf bereit.“ Suthep ist bei den Kundgebungen und Märschen in Bangkok zwar täglich öffentlich unterwegs, doch stets von einem Pulk von Sicherheitskräften umgeben.

Regierungsgebäude belagert

Eine Lösung im Machtkampf zwischen der Regierung und der außerparlamentarischen Opposition zeichnete sich nicht ab. Mehrere Tausend Regierungsgegner marschierten zum Ministerium für öffentliche Gesundheit und zur Steuerbehörde und belagerten die Gebäude. Andere hielten in der Innenstadt weiter zahlreiche Kreuzungen an Durchgangsstraßen besetzt. Sie verlangen den Rücktritt der Regierung, der sie Korruption vorwerfen, und eine Verschiebung der für 2. Februar geplanten Wahlen.

Allerdings schien die Protestbewegung insgesamt etwas an Stärke zu verlieren. An den von Gegnern der Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra besetzten Verkehrskreuzungen kampierten in der Nacht weniger Menschen als noch am Vortag. Versuche, den Verkehr zu behindern, wirkten eher halbherzig.

Sorge vor gewaltsamer Eskalation

In der Nacht auf Donnerstag explodierte nach Angaben von PBS eine Handgranate am Haus eines prominenten Regierungsgegners. Es wurde niemand verletzt. Zudem wurden nach anderen Medienberichten in einem anderen Teil Bangkoks zwei Menschen durch Schüsse verletzt. Suthep hatte die Regierung am Vorabend beschuldigt, solche Attacken anzuordnen.

Die Vorfälle verstärkten die Sorge wegen einer möglichen Gewalteskalation im seit Monaten anhalten Machtkampf, der bisher acht Menschen das Leben gekostet hat. Auch ein Eingreifen der Armee gilt, aller gegenteiligen Versicherungen der Militärführung zum Trotz, als nicht ausgeschlossen.

Die Demonstranten fordern einen Rücktritt Yinglucks. Sie sehen in ihr eine Marionette ihres vor einer Haftstrafe ins Ausland geflohenen Bruders und früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Die Geschwister werden vorwiegend von ärmeren Teilen der Bevölkerung vor allem auf dem Land unterstützt, während die Opposition besonders von der Mittelschicht in Bangkok sowie den Royalisten getragen wird. Yingluck hat für den 2. Februar Neuwahlen angesetzt, aus denen sie vermutlich als Siegerin hervorgehen würde. (APA/dpa/Reuters)


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