Der Klügere schiebt nach

Geschickt weidet Volkswagen seine Golf-Kompetenz aus: Ein Derivat folgt auf das andere, Jüngster im Handel ist das sportliche Highlight in Form des 300 PS starken Allradlers R.

Von Markus Höscheler

Arvidsjaur –Die „Gelben Engel“ des ADAC sind gefallen. Der einflussreiche deutsche Automobilclub musste zugeben, dass es zu Ungereimtheiten bei der Wahl zu den beliebtesten Autos gekommen war – dennoch dürfte kaum ein Zweifel daran bestehen, dass der VW Golf sich im Regelfall den ersten Platz sichern kann. Der Kompaktwagen ist seit Jahrzehnten das meistverkaufte Fahrzeug in vielen Ländern, in Österreich beispielsweise seit 36 Jahren. Diesen Titel verteidigt die aktuelle Baureihe, Generation Nummer VII, die seit Spätherbst 2012 den Händlern hohe Publikumsfrequenz garantiert. Der Entwicklung förderlich ist das Bemühen des VW-Konzerns, das Golf-Angebot so aufzufädeln, dass für alle Alters-, Geschmacks- und Einkommensklassen etwas in Frage kommt.

Für Dynamik-Orientierte mit solider Finanzgrundlage rollt derzeit der Top-Golf in die Schauräume: Zumindest herstellerseitig nicht zu toppen sind die 300 Pferdestärken, die dem Zweiliter-Turbobenziner TSI bei Anforderung zu entfliehen bereit sind. Das Aggregat ist eine Weiterentwicklung des im GTI arbeitenden Triebwerks. Veränderungen am Zylinderkopf, am Kolben, an den Hochdruck-Einspritzventilen und am Abgasturbolader sind nicht nur Voraussetzung für die deutlich höhere Leistung gegenüber dem GTI (220 bzw. 230 PS), sondern auch für das maximale Drehmoment von 380 Newtonmetern, das zwischen 1800 und 5500 Umdrehungen/Minute anliegt.

Gut möglich, dass selbst der gutmütige Golf bei diesem Zahlenberg überfordert wäre, flösse die Leistung allein der Vorderachse zu. Erfahren werden wir das nie, denn jeder R fährt ab Werk mit dem 4Motion-Allradantrieb der neuesten Generation (Haldex V). Besonders wichtig bei dieser 4WD-Technik ist das Steuergerät, das die Verteilung des Antriebsmoments je nach Bedarf blitzschnell auf beide Achsen in variierendem Ausmaß verteilt. Stets ist das System darauf bedacht, Schlupf gar nicht erst aufkommen zu lassen. Hilfreich dabei sind weitere elektronische Helferlein, etwa das Vierrad-EDS mit elektronischen Differenzialsperren. Ein durchdrehendes Rad wird angebremst. Eine weitere Spezialität stellt XDS+ dar, das bei schneller Kurvenfahrt die kurveninneren Räder verzögert und somit beim Einlenken hilft. Beim Erproben des rabiaten Golf im verschneiten und vereisten Nordschweden konnten wir uns von der zuverlässig arbeitenden Allrad­technik auf Anhieb überzeugen. Dienlich war in diesem Zusammenhang auch die in Serie verbaute Progressiv­lenkung, die mit unterschiedlichem Übersetzungsverhältnis arbeitet.

Den Golf-R-Fahrer dürfte es freuen, dass das elektronische Stabilitätsprogramm ESP um eine Stufe ESP Sport erweitert wurde und außerdem auf Wunsch komplett deaktivierbar ist – für den Einsatz auf der Rennstrecke. Diese dient als idealer Standort für das Bestätigen der Sprintwerte: Mit einem Sechsgang-Handschalter beschleunigt der Golf R in 5,1 Sekunden von null auf 100 km/h, mit einer Sechsgang-Doppelkupplung sind es sogar nur noch 4,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h, elektronisch abgeregelt.

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Stolz sind die Wolfsburger darauf, den Normverbrauch gegenüber dem Vorgängermodell trotz Leistungszuwachses zu reduziert zu haben: Mit DSG beträgt der durchschnittliche Konsum lediglich 6,9 Liter je 100 km (CO2-Ausstoß: 159 g/km). Wer anstrebt, diesen Wert zu erreichen, der dürfte allerdings darauf bedacht sein, den 4,27 Meter langen, fast 1,5 Tonnen schweren Wagen vorsichtig um die Ecke zu tragen.

Bei langsamer Fahrt haben wir mehr Zeit, uns Gedanken über die sonstige Beschaffenheit des Golf R zu machen: Gegenüber dem Standardwagen liegt die Karosserie 20 Millimeter tiefer, ab Werk gibt es Xenonscheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht und Kurvenlicht, Sportsitze sind garantiert, Nappa­leder gibt es gegen Aufpreis. Der Dachhimmel ist schwarz, die Klima­anlage Climatronic gehört zur Serienausstattung, ebenso gilt dies für die 18-Zoll-Leichtmetallfelgen. In der dreitürigen Konfiguration kostet der Golf R 43.910 Euro, als Fünftürer 44.770 Euro, jeweils mit Handschalter versehen. DSG nimmt weitere 1950 Euro in Beschlag, die adaptive Fahrwerksabstimmung DCC schlägt mit 1079,57 Euro zu Buche, der Abstandsregeltempomat mit 581,90 Euro. Und um den Einsatz eines „Gelben Engels“ unwahrscheinlich zu machen, bietet sich die Installation des Spurhalteassistenten Lane Assist an, den es zusammen mit der dynamischen Fernlichtregulierung um 730,94 Euro gibt.


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