VW-Konzern surft auf Hybridisierungs-Welle

Zur Jahresmitte startet Audi den A3 Sportback e-tron, kurze Zeit später folgt der Golf GTE. Die TT fuhr bereits damit.

Der Audi A3 Sportback e-tron gibt der Plug-in-Hybridtechnik einen kräftigen Schub auf dem Automarkt.
© Hersteller

Von Markus Höscheler

Arvidsjaur –Wenn Ulrich Hackenberg zur frühen Morgenstunde auf einem vereisten nordschwedischen See an das Fahrerfenster klopft, empfiehlt es sich, die Scheibe zu senken und ihm zuzuhören. „Den habe ich vor ein paar Jahren noch bei Volkswagen entwickelt“, sagt der jetzige Audi-Entwicklungsvorstand mit Verweis auf den Prototypen VW Beetle Cabriolet 4Motion, in dem wir uns befinden, während es draußen in der Nähe von Arvidsjaur etwa minus 25 Grad kalt ist. Ein allradgetriebener Beetle gehört wie ein Polo 4Motion (noch) nicht zum offiziellen VW-Angebot – und er fällt auch nicht mehr ins Aufgabengebiet von Hackenberg. Er kümmert sich derzeit unter anderem um die Serienreifung des für Jahresmitte angekündigten Plug-in-Hybriden Audi A3 Sportback e-Tron.

Auch den kann sich die Tiroler Tageszeitung für eine kurze Fahrt schnappen, um die harmonische Abstimmung zwischen einem 1,4-Liter-Turbobenziner, einem Elektromotor und einem Doppelkupplungsgetriebe auszuloten. Und da scheinen die Konstrukteure nichts angebrannt zu haben, die technischen Teile arbeiten fruchtbar zusammen und verschaffen dem Fronttriebler einen kräftigen Vorwärtsschub. Im System leisten die beiden Motoren 204 PS und entwickeln ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern. Da wundert es wenig, dass der 1,6 Tonnen schwere Kompaktwagen nur 7,6 Sekunden benötigt, um von null auf 100 km/h zu beschleunigen. Außerdem trauen ihm die werkseigenen Prüfer eine Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h zu.

Audi hat den A3 Sportback e-tron so konzipiert, dass er für eine bestimmte Zeit auch ohne Verbrennungsmotor unterwegs sein kann, um ein emissionsfreies Fahren, etwa in Ballungsgebieten, zu ermöglichen. Ein Lithium-Ionen-Akku, verbaut unter der Rücksitzbank, bietet eine Ladekapazität von 8,8 Kilowattstunden an, was eine rein elektrische Reichweite von 50 Kilometern ermöglicht – sofern nicht ladungsfeindliche minus 25 Grad vorherrschen wie in Lappland. Keine Sorge: Der E-Motor allein leistet schon 75 Kilowatt, mehr als genug für einen zügigen Ampelstart und ein flottes Vorankommen im innerstädtischen Betrieb. Allein die 330 Newtonmeter Drehmoment, die die E-Maschine vom Stand weg entwickelt, sind ein überzeugendes Argument.

Hat der Akku seine Arbeit getan, empfiehlt sich ein Aufladen an der heimischen Steckdose. Der Vorgang dauert zwischen zweieinhalb und dreidreiviertel Stunden. Damit ist der A3 Sportback e-tron fürs Pendeln bestens gerüstet – für Langstrecken allerdings ebenso, denn ein 40-Liter-Benzintank ermöglicht reiseübliche Reichweiten. Im Testzyklus benötigt Audis Neuling lediglich 1,5 Liter Treibstoff je 100 Kilometer (CO2-Emissionen: 35 g/km), die Gesamtreichweite liegt bei 940 Kilometern.

Ähnliche Werte wird wohl auch der VW Golf GTE aufweisen, der die Technik vom Audi A3 Sportback e-tron übernimmt und für kurze Probefahrten auf dem skandinavischen See zur Verfügung stand. Seine Weltpremiere feiert der Plug-in-Hybrid von Volkswagen in wenigen Wochen auf dem Genfer Autosalon, Marktstart ist im dritten Quartal 2014.


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