Männer in der Volksschule: Anteil ist dramatisch gesunken

In den 60er Jahren war noch jeder zweite Volksschullehrer ein Mann, heute nur noch jeder zehnte. Gefordert wird, den Beruf radikal aufzuwerten.

Von Brigitte Warenski

Innsbruck –Österreichweit sind 92 Prozent des Lehrerpersonals an den Volksschulen heute weiblich. Tirol liegt mit 12,5 Prozent Männeranteil (332 Männer) zumindest über dem Österreichschnitt. Dass das Frauen-Männer-Verhältnis nicht ideal ist, zeigt auch eine Studie der Erziehungswissenschaft an der Uni Innsbruck. „Die erzieherische Umwelt von Kindern ist fast durchwegs ,weiblich‘. Kinder sollten aber Kontakt zu verschiedenen Frauen und verschiedenen Männern haben, um sich mit ihrer Geschlechtsrollenentwicklung auseinandersetzen zu können. Und es gibt Hinweise darauf, dass besonders – aber nicht nur – Buben vom Vorhandensein männlicher Lehrkräfte profitieren“, sagt einer der Studienautoren, Bernhard Koch.

Gründe für den dramatischen Rückgang der Lehrer gibt es laut Koch mehrere: „Es scheint so zu sein, dass der Lehrerberuf an Ansehen verloren hat, sodass er für Männer immer unattraktiver wurde. Ebenso sind die Ansprüche an den Beruf gewachsen, weg von der hauptsächlichen Wissensvermittlung in Richtung eines stärkeren Eingehens auf die psychosoziale Lage der Kinder und Lernschwierigkeiten, und das scheinen sich Männer weniger zuzutrauen als Frauen.“ Um eine Kehrtwende einzuleiten, „gehört der VS-Lehrberuf ebenso wie die Kindergartenpädagogik radikal aufgewertet: im Ansehen, in der Ausbildung und in der Bezahlung.“ Auch für Landesrätin Beate Palfrader ist eine „stärkere Durchmischung in elementarpädagogischen Berufen und im Pflichtschulbereich wünschenswert“. Mit dem jährlichen „Boys Day“ versuche man bereits jetzt, mit traditionellen Geschlechterrollen zu brechen. Dass ein Umdenken stattfindet, zeigen für Palfrader die Zahlen: 2014 gibt es aktuell 63 Junglehrer, 2010 waren es nur 16.

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