Sundance Kid in der Mausefalle

Als Robert Redford die Streif bezwang: Das Museum Kitzbühel erinnert an die Dreharbeiten zum Sportfilmklassiker „Downhill Racer“.

Kitzbühel –Dass das Hahnenkamm-Rennen Stars und Sternchen aus der Unterhaltungsbranche anzieht, ist bekannt. Das alljährliche Schaulaufen nimmt auch in der Berichterstattung vom vielleicht spektakulärsten Ski-Rennen der Welt zusehends mehr Raum ein. Das war 1969 noch anders. Da konnte selbst Hollywood-Größe Robert Redford, der als Sundance Kid in „Zwei Banditen“ gerade zum Superstar geworden war, weitgehend unbeachtet an der Piste stehen und die Abfahrer beim Höllenritt durch die Mausefalle und über die Hausbergkante studieren. Lediglich bei manchem Streckenposten sorgte das US-Filmteam für einiges Stirnrunzeln. Nachdem der Weltcup-Tross weitergezogen war, stürmten die Amerikaner selbst die Streif.

Große Teile des Sportler-Dramas „Downhill Racer“ („Schussfahrt“) entstanden dort. Auch abseits der Piste, auf den Straßen und in den Lokalen der Gamsstadt wurde gedreht. Am Ende wurde die Streif sogar zur Olympia-Abfahrt, mit Redford als todesmutigem Goldmedaillengewinner, Gene Hackman in der Rolle des vor Freude taumelnden Trainers und zahllosen Kitzbühelern – darunter Ski-Legende Toni Sailer – als jubelnden Statisten.

Der deutsche Fotojournalist Hans Rudolf Uthoff hat die Dreharbeiten zu „Downhill Racer“ begleitet. Seine eleganten Schwarz-Weiß-Fotografien – die seit gestern im Museum Kitzbühel zu sehen sind – erinnern aber nicht nur an den Moment, als Robert Redford (bzw. sein experimentierfreudiges Stunt-Double Joe Jay Jalbert) die Streif gleich mehrfach bezwang, sondern erlauben auch den Blick hinter die makellose Kulisse des Films. Sie zeigen Redford und Regisseur Michael Ritchie (der den ursprünglich vorgesehenen Roman Polanski ersetzte) als akribische Arbeiter, die, von zahllosen Schaulustigen begeistert beäugt, an Einstellungen feilten und die Grenzen des filmisch damals Machbaren beständig neu ausloteten. Für den damals 33-jährigen Redford war „Downhill Racer“ ein durchaus riskantes Projekt, das er, nachdem sich große Studios sträubten, mit seiner eigenen Produktionsfirma „Wildwood“ umsetzte. Letztlich war es auch der Erfolg dieses Films – Kritiker sprachen seinerzeit vom „besten Sportfilm überhaupt“ –, der Redford auf seinem eigenwilligen Weg zwischen unabhängigem Filmschaffen und Hollywood-Mainstream bestätigte.

Auch diesen filmhistorisch bedeutsamen Aspekt des „Downhill Racer“ streift die Kitzbüheler Ausstellung, um sich dann nach einer finalen Kehrtwende vor Karl Schranz zu verneigen, der – ganz ohne Stuntman und Kameratricks – das echte Hahnenkamm-Rennen 1969 gewonnen hat. (jole)

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