Innsbrucks Krematorium bekommt neue Eigentümer

Ein Konsortium verschiedener Bestatter will die Einäscherungsanstalt der Kommunalbetriebe übernehmen. Die Stadt verzichtet auf ihr Vorkaufsrecht.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Das Einäschern steht hoch im Kurs. Immer mehr entscheiden sich für eine Feuer- statt einer Erdbestattung. Allein in Innsbruck soll das Verhältnis bei 74:26 liegen. Derzeit gibt es in Tirol zwei Krematorien, eines in Innsbruck, ein anderes in Kramsach. Ein drittes wird es vorerst aber nicht geben – weil eben die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) das ihre nun an einen Zusammenschluss verschiedener Bestattungsunternehmer verkaufen werden. Von diesem Ansinnen hatte die TT bereits im Mai 2013 berichtet. Die letzte Hürde dafür räumte am Donnerstag der Innsbrucker Gemeinderat beiseite, indem er einstimmig auf die Ausübung eines Vorkaufsrechts verzichtete. Selbiges hatte sich die Stadt bei den IKB im Gegenzug für die Einräumung eines Baurechts zur Verwirklichung des Krematoriums ausbedungen.

IKB-Vorstandsvorsitzender Harald Schneider sagte gegenüber der TT, dass der Kaufvertrag „ausverhandelt“ sei. Zumal man das Krematorium bereits an das Konsortium verpachtet habe. Mit dem Verzicht der Stadt auf das Vorkaufsrecht werde man nun das Baurecht, das Gebäude mitsamt Maschinen und Inventar verkaufen. Nicht nur, dass das Kremieren nicht zum Hauptgeschäft der IKB zähle – so bestätigt Schneider aber sehr wohl die Ankündigung, dass die Bestatter, die im Übrigen zu den Hauptkunden der IKB-Anlage zählen, im Falle eines Scheiterns der Verkaufsgespräche ein neues, drittes Krematorium zu bauen bereit wären. Der Raum Zirl wäre hierfür in Betracht gekommen. Die Folge wäre wohl ein preislicher Wettkampf gewesen, welchem sich die IKB nicht stellen wollen.

Politisch erfolgte die Zustimmung aber mit einigem Missmut. Schließlich blieb den Mandataren schier nichts anderes übrig – alles andere hätte bedeutet, dass man das Krematorium kaufen und selbst betreiben hätte müssen. „Leider gibt es hier keinen Andienungszwang“, sagte Grünen-StR Gerhard Fritz. Deshalb sei der IKB das wirtschaftliche Risiko zu groß. Und ergo müsse man nun die Anlage einem „Kartell privater Bestatter“ überlassen.

Der Verkauf sei „wirtschaftlich schon ein Geschäft, mit dem wir leben können“, sagt Schneider. Die Höhe will er nicht bestätigen, sie soll aber bei rund 1,7 Mio. € liegen. Zum Vergleich: Die Errichtungskosten (Inbetriebnahme 1999) betrugen 2,9 Mio. €, im Jahre 2005 wurde ein zweiter Verbrennungsofen für 825.000 € angeschafft. Laut Schneider stünde eine Ofen-Großrevision für rund 100.000 € an, welche die IKB aber nicht mehr durchführen würden.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Kommentieren


Schlagworte