Assad bietet vor Verhandlungen Waffenruhe in Aleppo an

Außenminister Walid al-Muallem präsentierte den Vorschlag in Moskau. Indes gehen die Kämpfe in Syrien weiter.

Damaskus/Moskau – Das syrische Regime hat wenige Tage vor Beginn der geplanten Friedensverhandlungen erste Zugeständnisse gemacht. Damaskus bietet den Regierungsgegnern eine Waffenruhe für die Stadt Aleppo und einen Gefangenenaustausch an. Beides hatte das Regime von Präsident Bashar al-Assad bisher abgelehnt.

Außenminister Walid al-Muallem sagte am Freitag in Moskau, er habe seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow einen Vorschlag für Sicherheitsmaßnahmen vorgelegt, die eine Waffenruhe in Aleppo begleiten sollten. Jetzt müsse nur noch die „Stunde Null“ für diese Waffenruhe festgelegt werden. Ein Teil von Aleppo wird momentan von Rebellen kontrolliert, ein Teil von den Regierungstruppen.

Gleichzeitig bekundete Al-Muallem die Bereitschaft des syrischen Regimes, Gefangene gegen Geiseln auszutauschen, die von den Rebellen festgehalten werden. Bisher hatte sich das Regime nur auf den Austausch von Gefangenen gegen ausländische Geiseln eingelassen. Angebote der Rebellen, zum Austausch syrischer Soldaten oder regimetreuer Zivilisten wurden dagegen stets abgelehnt.

Die Friedensverhandlungen in der Schweiz sollen am Mittwoch beginnen. Die syrische Exil-Opposition wollte am Freitagnachmittag in Istanbul über ihre Teilnahme an den Verhandlungen beraten. Die Beratungen sollen am Samstag fortgesetzt werden.

Sieben Tote bei Raketenbeschuss aus Syrien im Nordlibanon

Bei einem Raketenangriff aus dem benachbarten Syrien sind in der nordlibanesischen Grenzstadt Arsal mindestens sieben Menschen getötet worden. Unter den Toten seien drei Kinder, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA am Freitag. Weitere 15 Menschen erlitten Verletzungen. Auch andere Orte der nordöstlichen Bekaa-Ebene wurden am Freitag von Artilleriegeschossen aus Syrien getroffen.

Die Quellen im Libanon nannten zunächst keinen Urheber der Angriffe. Arsal und andere Grenzorte waren aber in der Vergangenheit mehrfach von den Streitkräften des syrischen Machthabers Bashar al-Assad angegriffen worden. Zuletzt war vor mehr als zwei Wochen ein syrischer Flüchtling in Arsal getötet worden, als syrische Kampfhubschrauber den Ort angriffen.

Rivalisierende Islamisten-Milizen erwägen Gefangenentausch

Rivalisierende islamistische Milizen in den syrischen Rebellengebieten erwägen einen Gefangenentausch. Die Al-Nusra-Front, der Islamische Staat im Irak und der Levante (ISIL/ISIS) und andere Gruppen wollen nach eigenen Angaben 400 Männer austauschen.

„Wir müssen das Vertrauen unter allen Beteiligten wiederherstellen und zu unserem Hauptanliegen zurückkehren, dem Kampf gegen das syrische Regime“, sagte Al-Nusra-Kommandant Abu Mohammed al-Halebi aus Nordsyrien der Nachrichtenagentur dpa.

Sowohl die Al-Nusra-Front als auch ISIS sind regionale Ableger der Terrororganisation Al-Kaida. Politische Differenzen hatten aber in den vergangenen Wochen schwere Kämpfe zwischen ISIS und den anderen Dschihadisten-Milizen ausgelöst, bei denen mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen sind. ISIS will in den von der Miliz kontrollierten Gebieten sofort einen „Gottesstaat“ errichten und vernachlässigt deshalb den Kampf gegen das Regime von Machthaber Bashar al-Assad.

Die Initiative zum Gefangenentausch erfolgte wenige Tage vor der geplanten Syrien-Friedenskonferenz in der Schweiz. Die islamistischen Kampfgruppen werden dort nicht vertreten sein. (APA/dpa/Reuters/AFP)


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