Selbstbestimmung: Umfrage für Kompatscher verantwortungslos

Südtirols neuer Landeshauptmann setzt auf den Ausbau der Autonomie und lässt gleichzeitig die große Vision vom Europa der Regionen nicht aus den Augen.

Von Alois Vahrner und Mario Zenhäusern

Innsbruck –Arno Kompatscher ist spürbar verärgert, wenn er – wie jüngst bei seinem Antrittsbesuch in Tirol – auf das Selbstbestimmungsreferendum der Gruppe „Süd-Tiroler Freiheit“ rund um Eva Klotz angesprochen wird. Das sei „ein klarer Missbrauch des Themas Selbstbestimmung zu Wahlkampfzwecken“ gewesen, aus Sicht der Südtiroler Volkspartei „völlig unzulässig, denn das Thema ist viel zu wichtig und steht ja auch im Grundsatzprogramm der SVP im Sinne der Ausübung des Selbstbestimmungsrechts der Völker“.

Kompatscher bekräftigt im Gespräch mit der TT, dass sein Weg jener der Autonomie sei, denn „der hat uns den Erfolg gebracht“. Das sei „eine klare Vision, auch eine Zukunftsvision. Wir wollen die Autonomie weiter ausbauen – im Lichte einer europäischen Perspektive, einer Weiterentwicklung des europäischen Gedankens hin zu einem Europa der Regionen, wo Grenzen noch weniger spürbar werden und wo sich eben Regionen wieder entwickeln. Unsere Autonomie zum heutigen Zeitpunkt ist nicht das Ende der Geschichte.“

Mit der „Süd-Tiroler Freiheit“ geht der neue Chef im Palais Widmann hart ins Gericht. Es sei ein schweres Missverständnis, zu glauben, dass man in Italien zum jetzigen Zeitpunkt mit einem positiven Referendum etwas bewirken könnte. Kompatscher: „Im Gegenteil: Man riskiert die Möglichkeit, bei einer autonomiefreundlichen Regierung in Rom Zugeständnisse zu erreichen. Das ist verantwortungslos, diese wichtige Frage für parteipolitische Zwecke zu missbrauchen.“ Schließlich sei der stete Ausbau der Autonomie „nicht Ausdruck von Kleinmut, sondern von Realpolitik. Gleichzeitig verfolgen wir die große Vision vom Europa der Regionen weiter.“

Unterstützung erhält Kompatscher von seinem Tiroler Kollegen Günther Platter: „Was Europa braucht, ist eine Stärkung der Regionen. Wir sind näher bei den Menschen und können Europa besser erklären. Dabei geht es nicht nur um Westachsen, sondern insbesondere auch um Nord-Süd-Achsen. Man braucht nachbarschaftliche Verbundenheit. Nur so kann eine Region gestärkt werden. Dazu ist ein maximaler Ausbau der Südtiroler Autonomie notwendig. Deshalb unterstützen wir alle Bestrebungen in dieser Richtung.“


Kommentieren


Schlagworte