Von Postpunk zu Kerzenschein

Mogwai legen ein sanftes Album vor, das ihrem Schaffen neue Aspekte hinzufügt.

Innsbruck –Als Mogwai aus Glasgow 1995 ins Rampenlicht traten, gaben sie massiven Postpunk von sich. Massiv, weil der Sound aufregend, ungestüm und unvorhersehbar war. Jetzt klingen Stuart Braithwaite, Dominic Aitchison, Martin Bulloch, John Cummings und Barry Burns geerdeter, weniger in Rage. Sie sind immer noch superpräsent, aber in dezenter Fülle. Ihr neues Album „Rave Tape“ ist was für Genießer der unangepassten Art.

In gewohnter Manier wird auch auf „Rave Tape“ wenig gesungen. Mogwai sind Instrumentalisten, nach ihrem Verständnis sind Lyrics nicht der richtige Hook für einen Song, stimmliche Elemente sind sehr selten. Auch ohne großen Gesang wirken die einzelnen Nummern dabei dicht und elegisch. Ein bisschen wie ein Soundtrack. Stimmliche Einsätze gibt es, in „Blues Hour“ z. B., das fast zum Song wird, weich, verträumt, mit feinem Piano zur zurückhaltenden Stimme. Oder in „The Lord Is Out Of Control“, in dem eine Roboterstimme singt. Zärtlich, fast.

Aber schon das Intro, das weiche „Heard About You Last Night“, erzeugt den Gesamteindruck des Albums: Es ist ein Ohrenschmeichler. Mit markanten Gitarrenmotiven zwar und wenigen Akkorden, die hängen bleiben, aber mit einer Struktur, die sich wohlig ausbreitet. Mogwai arbeiten in ihre neuen Songs feinfühlige Gitarrenläufe ein, die eine weiche Basis schaffen. Sie konzentrieren sich auf analog eingewobene Elektronik, lassen Soundwälle kommen und gehen, größer werden und sich wieder zurückziehen. Sie zelebrieren die einzelnen instrumentalen Ebenen ihrer Songs und schalten dabei auf Deeskalation. Zeitweise erinnert dieser musikalische Kosmos an Tortoise oder Sonic Youth, oder gar an einen Museumsbesuch.

Insofern werden die 10 Stücke dem Titel des Albums gerecht: „Rave“ bedeutet „schwärmen“. „Rave Tape“ ist Schwärmerei. Es wird von Synthesizern dominiert, die eine düstere, aber doch angenehme Atmosphäre schaffen.

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Mogwais Musik wurde schon früher als Ambient bezeichnet, als es noch nicht so gut passte. Jetzt ist der Postpunk verschüttet und die Ambient-Einflüsse werden stärker. Die Band scheint in neuen, weichen Schuhen eine neue Reise anzutreten. Man darf gespannt sein, wo die hinführt. (sbn)


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