Rasante Datenautobahn für entlegenste Dörfer Tirols

Lahmes Internet muss nicht sein: Dank Breitband-Offensive des Landes und privater Initiative können auch ländliche Regionen Vollgas geben.

Von Helmut Wenzel

Nauders, Tannheim, Venter Tal, St. Ulrich/Pillersee –Ab von der Kriechspur, rauf auf die Überholspur im globalen Datennetz. „Als Tourismusort brauchen wir eine schnell­e Glasfaser-Infrastruktur.“ So begründet Bürgermeister Robert Mair die Offensiv­e für schnelles Internet im Reschen­dorf Nauders. „Es ist ein mehrjähriger Plan. Aber wir haben bereits begonnen, Lichtwellenleiter beim Kanalbau zu verlegen.“

Nauders lukriert ebenso Fördermittel aus der Breitband-Offensive des Landes wie Tannheim und St. Ulrich am Pillersee. Im abseits der großen Verkehrsadern gelegenen Unterländer Dorf war Bürgermeisterin Brigitte Lackner zunächst frustriert: „Von der A1 wurde uns gesagt, der Aufbau einer Glasfaser-Infrastruktur ist unrentabel. Also haben wir uns nach Alternativen umgeschaut.“ Der Netzausbau in ländlichen Gebieten sei extrem teuer, heißt es von der A1. Von Privatkunden gebe es keine Nachfrage.

Der Startschuss zum Aufbau des schnellen Datennetzes in St. Ulrich fiel im Februar 2013 nach einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss. „Die Gemeinde ist in Besitz des Lichtwellenleiternetzes“, betont die Bürgermeisterin. „Möglicherweise wären Firmen abgewandert, wenn wir das nicht gemacht hätten.“ In einigen Jahren soll das flotte Netz im Dorf flächendeckend zur Verfügung stehen.

Das Tannheimer Tal zählt zu den am schwierigsten zu versorgenden Regionen Tirols. „Wir haben Breitband derzeit über Funk, aber das funktioniert lückenhaft“, schildert der Tannheimer Bürgermeister Markus Eberle. „Vor allem unsere Tourismusbetriebe sind auf ein funktionierendes schnelles Netz angewiesen.“ Geplant sei, einen Glasfaserstrang über den Gaichtpass zu verlegen. Die Kosten des teuren Projekts könne er noch nicht beziffern. 40 Prozent würde das Land fördern. „Oder vielleicht gibt es ein Sonderprogramm des Landes“, hofft Eberle, der den Anschluss an das schnelle Datennetz für 2015 erwartet.

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Auch das 14 Kilometer lange Venter Tal, ein Seitental im Ötztal, wird im aktuellen Breitband-Masterplan des Landes angeführt. Dort ist ebenfalls ein digitaler Lückenschluss für die verstreuten und entlegenen Höfe geplant.

Der Zammer IT-Experte Hermann Hammerl, der mit der Tirolnet GmbH von Land­eck und Innsbruck aus tirolweit schnelle Netze betreibt und Projekte in entlegenen Regionen mit Partnern koordiniert, spricht von der „Höfe­erschließung des 21. Jahrhunderts“. Er weiß: „Wer den Anschluss verpasst, verliert an Wettbewerbsfähigkeit.“

Den Regierungsbeschluss zur Breitband-Förderung in den Tiroler Gemeinden könn­e er nur begrüßen: „Es ist ein wohlüberlegtes Gesamt­paket.“ Die Möglichkeit der Gemeinden, das bestehende Lichtwellenleiternetz der Landestöchter Tiwag und Tigas zu nutzen, bedeute langfristig einen volkswirtschaftlichen Gewinn für ganz Tirol, ist Hammerl überzeugt. „Die Frage ist nur, ob dieser Regierungsbeschluss von allen Beteiligten umgesetzt wird.“


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