Ein Jährchen mehr und ... „man lernt nie aus“

Seinem 48. Geburtstag blickt Michael Streiter heute im türkischen Side gelassen ins Auge. Der Wacker-Coach ist voll fokussiert auf sein Team.

Aus Side: Alex Gruber

Side –„Aktivierung aller Muskelgruppen“, erteilt Kondi-Coach Karl Schwarzenbrunner beim ersten Training in Side ein Kommando. Streiter nickt: „Es ist gut, dass es die Sportwissenschaft gibt. Früher hast du quasi nur gut trainiert, wenn du gebrochen hast. Unter Happel waren wir zwei Drittel der Saison blau“, sprach er gestern am ersten Camp-Tag die Übersäuerung in früheren Zeiten an, ehe er seinen heutigen Geburtstag und das „Paket FC Wacker“ genauer unter die Lupe nahm.

Wie fühlt sich die Arbeit nach 14 Tagen an?

Michael Streiter: Es ist absolut erfreulich, macht mir Riesenspaß. Ich bin daheim Trainer vor der eigenen Tür, da wo alles angefangen hat. Es ist das, was ich mir vorgestellt habe und da steht nichts drüber.

Eindruck vom Team?

Streiter: Absolut leistungsorientiert, aber das war es vor meiner Zeit auch. Wir müssen jetzt den Feinschliff reinbringen, um uns erfolgreich präsentieren zu können.

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Dafür wäre ein Leader, wie Sie es in aktiven Zeiten waren, erwünscht.

Streiter: Fußballerisch muss das nicht so sein, aber von der Autorität am Platz sage ich „Ja“ dazu. Sie brauchen einen Führungsspieler, der ihnen hilft, wenn es einmal nicht so läuft. Wir hatten Pezzey, Pipo (Gorosito) oder einen Müller, die wir anspielen konnten. So etwas ist momentan nicht da und wollen wir in unserem Paket finden. Swarovski-Zeiten waren etwas anderes. Wir haben aber Junge mit Riesenpotenzial.

Kommt Zeljko Djokic (SRB) als Abwehrchef?

Streiter: Er ist erfahren, fit und natürlich ein Thema. Wir haben auch jemanden mit langjähriger Erfahrung aus der deutschen Bundesliga angeboten bekommen.

Drängt die Zeit?

Streiter: Wir können uns kein zeitliches Limit setzen. Im Fußball kann sich auch am 31. Jänner noch was ergeben. Ich habe mit Flo (Sportdirektor Klausner, Anm.) in letzter Zeit um zwei Drittel mehr geredet als mit meiner Frau. Das gehört aber dazu. Wir wollen mit einem Neuen Stabilität reinbringen.

Sie sind jetzt 48. Was sagt Ihnen diese Zahl?

Streiter: Dass alles so schnell geht, man hat so viele Erinnerungen. Ich weiß noch, wie ich 1983 als 17-Jähriger hineingegangen bin und jetzt bin ich 30 Jahre in diesem Job. Reisen, Europacup, Stadien, Niederlagen – Fußball ist meine Berufung.

Was hat sich in den zehn Jahren, seit Ihrer ersten Wacker-Ära geändert?

Streiter: Mein Erfahrungsschatz dank Zusammenarbeit mit Leuten wie Trapattoni oder Co Ad­riaanse. Ich bin selbst in die Erfolgsspur (u. a. Zweitliga-Meister mit Altach und Aufstieg mit Horn, Anm.) gekommen. Man lernt im Fußball nie aus. Persönlich sehe ich die Dinge ruhiger und differenzierter.

Was gönnen Sie sich zum Geburtstag bzw. was wünschen Sie sich?

Streiter: Das Wichtigste ist die Familie und Gesundheit. Im Sport bin ich nie zufrieden, habe mir auch als Spieler immer was auferlegt, Ziele gesetzt. Jetzt bin ich als Trainer fokussiert und weiß, was ich vorhabe.

Ist Trainer zu sein gewissermaßen ein Burn-out-Job?

Streiter: Das kann passieren – auch in anderen Sportarten. Ich habe bei Wacker einen guten Trainerstab, aber wenn du alles alleine machen musst, kann’s schwer werden. Ich hatte in Altach eine Phase, wo ich total leer war – bin gelegen, war aber munter.


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