ChromeOS: Das WWW als Betriebssystem

Googles noch junges Betriebssystem für Laptops hat sicher seine Schwächen. Aber ist es so schlecht, wie Microsoft unlängst behauptete?

Von Georg Holzer

Innsbruck –Wie blank die Nerven bei Microsoft liegen, weiß derzeit niemand. Das jüngste Schmähvideo der Redmonder Marketingabteilung lässt aber üble Stimmung vermuten. Angegriffen werden darin ChromeBooks. Es sind dies Notebooks, die mit dem Betriebssystem ChromeOS von Google laufen. Microsoft meint, dass sie kaum nützlich seien. Wie sieht die Realität aus?

ChromeOS ist ein noch recht unbekanntes Betriebssystem, das nicht viel mehr mitbringt, als einen Browser. Der Grundgedanke dahinter: Weil wir heute ohnehin die allermeisten Aufgaben im Browser erledigen, sollte der doch reichen. Immer mehr Anwendungen wie Bürosoftware, spezielle Firmenprogramme, E-Mail oder auch einfache Bildbearbeitung funktionieren im Web bereits tadellos.

Der unsichtbare Unterbau von ChromeOS ist ein sehr schlankes Linux-System. Weil ChromeOS geringe Anforderungen an den Prozessor stellt und alle Daten im Netz liegen, sind ChromeBooks sehr günstig. Obwohl ihre Preise bei rund 250 Euro beginnen, sind sie alles andere als lahm – schon Sekunden nach dem Einschalten sind sie betriebsbereit.

Neben dem Preis ist die Einfachheit der Bedienung der wichtigste Kaufgrund. Surfen im Web kann jeder und es gibt weder eine komplizierte Dateiablage noch viele Einstellungen in der Systemsteuerung, die für Verwirrung sorgen könnten. Einschalten, anmelden, loslegen!

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Daneben punktet Google mit Sicherheit. Schadsoftware wie es sie unter Windows gibt, ist hier unbekannt und Updates kommen (wie beim Chrome-Browser) automatisch daher, ohne dass man davon etwas merken würde.

Wo liegt also der Haken? Anders, als es Microsoft behauptet, kann man mit ChromeBooks auch dann arbeiten, wenn gerade keine Verbindung zum Internet besteht. Viele der im App-Store angebotenen Webanwendungen haben Offline-Fähigkeiten. Freilich: Mit Microsofts Office unter Windows ist das Web-Office keinesfalls vergleichbar. Auch der Einsatz komplexer Programme wie Photoshop ist unter ChromeOS nicht denkbar.

Aber vieles funktioniert – problemlos und für den ungeübten Nutzer deutlich einfacher als unter Windows und am Mac. Wer vor der Wahl steht, wie man Papa, Oma oder Opa computerisiert, sollte auf jeden Fall auch Chrome­OS in Betracht ziehen. Google konkurriert damit weniger mit anderen Computer-Betriebssystemen als mit Tablets und den Convertibles. Viele Aufgaben lassen sich im Web einfacher und schneller erledigen, wenn man eine Tastatur dabei hat als in der App am Tablet. Auch wenn noch nicht alles geht: Das Web macht täglich riesengroße Fortschritte.

Und noch einen Pluspunkt haben die ChromeBooks: ihr Unterbau. Weil auf ihnen Linux läuft, lässt sich das freie Betriebssystem mit all seinen Funktionen auch darauf installieren. Das Ergebnis ist ein Linux-Laptop, der alle Stücke spielt, ausreichend flott ist und vor allem eine ewig lange Akkulaufzeit aufweist.

Die Frage ist nun: Wovor fürchtet sich Microsoft? Vor Google oder davor, dass die Leute nicht mehr automatisch zu einem Windows-Computer greifen?


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