Tinetz-Chef: Smart Meter bringen kaum Ersparnis

Aus Sicht des Tiroler Stromnetzbetreibers werden Haushalte mit neuen Stromzählern kaum Strom sparen. Auch die Fernabschaltung sei ein Problem.

Innsbruck –Bis 2019 werden Netzbetreiber laut Gesetz verpflichtet, 95 % der Haushalte mit den so genannten Smart Metern auszustatten, die beim Stromsparen helfen sollen. Doch nicht nur Datenschützer schlagen Alarm, zumal die Geräte die Informationen über den Stromverbrauch im Viertelstundentakt weiterleiten. Wie ein Testlauf der Centralschweizerischen Kraftwerke jüngst gezeigt hat, bringen die intelligenten Zähler wenig, weil Haushalte mit den neuen Zählern kaum Strom sparen.

Auch Thomas Trattler, Vorstand des Tiroler Landes-Netzbetreibers Tinetz (100-%-Tochter der Tiwag), kritisiert die gesetzlich verordnete Umstellung und ortet kaum Stromersparnis durch Smart Meter.

Herr Trattler, der Testlauf in der Schweiz hat gezeigt, dass Haushalte mit intelligenten Zählern kaum Strom sparen. Ist die Umstellung also unnötig?

Trattler: Tirols Haushalte sind bereits sehr energieeffizient. Damit wird es für sie schwierig, eine weitere Einsparung im Ausmaß der angepeilten 3,5 % zu erreichen. Ein Normhaushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch kann nicht mehr viel einsparen. Er kann nicht viel mehr tun als LED-Lampen installieren, um zu sparen, weil die Waschmaschine wird man trotzdem brauchen. Der Handlungsspielraum ist also klein.

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Die Kosten von 100 bis 150 Euro je Gerät werden letztlich auf die Kunden abgewälzt. Hohe Kosten, wenig Nutzen?

Trattler: Nicht nur die Zähler kosten, auch die Datenkommunikationseinrichtung. Daher rechnen wir mit Kosten von 200 Euro pro Zähler. Ein durchschnittlicher Kunde hat eine Stromrechnung von 600 Euro im Jahr – selbst wenn sich wie angepeilt 3,5 % davon einsparen ließen, dauert es Jahre, bis sich die Investition amortisiert hat. Und das auch nur, wenn Kunden sparen.

Wann würde ein Smart Meter Sinn machen?

Trattler: Deutschland hat eine andere Untergrenze gewählt, nämlich ab 6000 kWh Jahresverbrauch. Die EU hatte eine Kosten-Nutzen-Analyse gefordert – und in Deutschland kam man zum Ergebnis, dass es erst ab einem Jahresverbrauch von 6000 kWh Sinn macht. Unternehmen bei uns haben aber bereits jetzt Lastprofilzähler, mit denen sie den Stromverbrauch steuern können.

Theoretisch können Kunden laut Gesetz das „intelligente Messgerät“ verweigern. Jetzt wird aber um die Interpretation gestritten: Darf Verweigerern kein intelligentes Messgerät eingebaut werden oder reicht es, die Datenübermittlung zu deaktivieren, wodurch das Gerät ja nicht mehr „intelligent“ wäre? Kann man nun den Einbau verweigern oder nicht?

Trattler: Das Gesetz zwingt uns, 95 % der Haushalte bis 2019 mit Smart Metern auszustatten. Dass es nicht 100 % sind, ergibt sich daraus, dass es technisch nicht überall möglich ist, weil nicht überall die nötige Datenverbindung möglich ist. Im Gesetz wurde festgelegt, dass der Kunde einen Wunsch äußern kann, kein intelligentes Messgerät zu erhalten, Derzeit gehen die Gespräche mit Ministerium und E-Control in die Richtung, dass die Bedürfnisse des Energieunternehmens Vorrang haben. Das heißt: Erst kommen die Bedürfnisse des Netzbetreibers, dann kann man den Wunsch des Kunden berücksichtigen.

Bekommt also jeder einen neuen Zähler, ob er will oder nicht?

Trattler: Eines ist klar: Wir werden moderne Zählgeräte ausliefern, man kann aber die Funktionen der Datenübertragung und die Möglichkeit der Übertragung im 15-Minuten-Takt nicht aktivieren. Der Kunde bekommt dann sozusagen einen nicht intelligenten Zähler.

Datenschützer kritisieren auch die Fernabschaltung.

Auch wir fühlen uns mit der Fernabschaltung nicht ganz wohl. Unsere Anlagen sind aber auch jetzt bereits ferngesteuert, wir haben unsere Anlagen daher gesondert abgesichert. Den Punkt der Fernabschaltung muss man mit E-Control und dem Ministerium diskutieren. Es könnten ja auch Fehler passieren und der Kunde wird irrtümlich aus der Ferne weggeschaltet.

Wie sieht in Tirol der Smart-Meter-Plan aus?

Trattler: Wir haben 4000 Geräte im Testbetrieb laufen, auch bei Haushaltskunden. Diese Zahl wird heuer verdoppelt, zudem läuft heuer ein interner Test mit Umspannstationen, bei dem wir die Kommunikation testen. 2015 werden wir mit der Installation bei Kunden starten, und zwar eher im letzten Quartal. Wir wollen erst möglichst spät starten, weil in puncto Datenschutz noch Änderungen kommen könnten.

Das Gespräch führte Max Strozzi


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