Olympiasiegerin Dujmovits: „Es ist einfach unbeschreiblich geil“
Die burgenländische Snowboarderin Julia Dujmovits hat am Samstag bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille im Parallel-Slalom geholt. Im Interview sprach die 26-Jährige über Fokus, die Erfüllung eines Traumes, Dankbarkeit und ihren schwierigen Start in die Karriere.
Einen tragischeren Start in die Karriere könnte es nicht geben. Und kaum jemals hatte eine Goldmedaille so einen Glanz. Snowboarderin Julia Dujmovits hat ihren in Russland geschafften Olympia-Sieg den Freunden gewidmet, die sie 2000 bei dem verheerenden Brand in einer Seilbahn auf das Kitzsteinhorn verloren hat. Die 26-Jährige hatte seitdem das Gold-Ziel vor Augen. Und die Opfer in ihrem Herzen.
Die am 12. Juni 1987 in Güssing geborene Burgenländerin war 13 Jahre alt, als das Unglück, das 155 Menschenleben forderte, passierte. Sie war mit dem burgenländischen Kaderläufern auf Trainingskurs in Kaprun. Sie hatte sich mit ihrem Bruder ebenfalls bei der Bahn angestellt, als dieser meinte, dass sie doch lieber die Gondel nehmen sollten. Die Freunde aber fuhren in den Tod. Und Dujmovits zerriss es das Herz.
Zuerst wollte das Mädchen nie wieder ein Snowboard ansehen, doch dann fasste es einen Entschluss: „Ich dachte mir, okay: Wenn ich weiterfahre, hole ich Gold für meine Freunde. Es ist echt unglaublich. Das Team habe ich in meinem Herzen, das werde ich nie vergessen. Ich vermisse sie noch immer“, erzählte Dujmovits in Krasnaja Poljana. Und dankte ihren Schutzengerln. „Ich habe brutal viele um mich.“
Das erste Mal davon geträumt, dass sie einmal bei Olympischen Spielen ganz oben auf dem Podest stehen will, hat Dujmovits aber bereits 1998, als sie im Fernsehen die Winterspiele in Nagano mitverfolgte und Hermann Maier sah. 14 Mal stand sie nun im Weltcup bereits auf dem Podest, zwei Siege hat sie gefeiert. Bei Weltmeisterschaften steht Riesentorlauf-Silber 2013 in Stoneham zu Buche.
Interview mit Julia Dujmovits
Wie haben Sie nach der Enttäuschung im Riesentorlauf den Dreh geschafft?
Dujmovits: „Ich war den ganzen Tag so brutal fokussiert, ich hatte sogar am Handschuh stehen: Fokus. Dass ich mich konzentriere, habe ich mir jeden Lauf so oft gesagt. Immer wenn ich mit dem Ski-doo rauf bin: okay, fokussieren, konzentrieren, Linie. In dem Fall habe ich ein bisschen einen Schummler gebraucht auf meinem Handschuh.“
Hat der Fokus zuletzt gefehlt?
Dujmovits: „Nein. Ich war mir im Riesentorlauf vom Gefühl her so sicher, ich bin so geile Schwünge gefahren. Qualifikation ist normal kein Thema für mich. Ich bin so super rausgestartet, war null nervös. Aber ich habe technisch nichts machen können, weil es so eisig war. Ich habe viel Kritik einstecken müssen, von wegen, ich komme mit dem Druck nicht zurecht. Aber das war definitiv nicht der Fall. Das heute ist einfach die Antwort darauf.“
Auch die Antwort auf die Kritik von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel am Snowboard-Lager?
Dujmovits: „Ich habe es nicht gehört, vielleicht war das auch gescheiter so. Es ist so, dass ich schon brutal dankbar für die Unterstützung bin, die wir kriegen. Ohne ÖSV wäre ich heute nicht da. Wir haben nicht wie die Skifahrer 20 Ski im Serviceraum stehen und nicht jeder hat eine eigene Servicebetreuung. Aber dafür haben wir einen Servicemann, Werner, der einfach so geil drauf ist, dass er einen immer zum Lachen bringt und voll motiviert. Und logisch, das Material muss passen. Aber sie machen ihren Job so gut sie können, sie können sich nicht zerreißen, sie hacklen den ganzen Tag durch. Vielleicht sollte man mal dran denken, mehr Geld reinzustecken. Dann wäre die Betreuung besser und unsere Trainer wären nicht voll am Limit die ganze Zeit.“
Beim ersten Olympia-Gold heißt es immer, das ist ein Traum, der sich erfüllt. Wann haben Sie ihn das erste Mal geträumt?
Dujmovits: „Das war, als ich Nagano geschaut habe und den Hermann Maier ganz oben stehen gesehen habe. Da habe ich mir gedacht, okay, das muss schon ziemlich cool sein, da am Podium zu stehen.“
Wie waren die Gefühle im Ziel?
Dujmovits: „Ich habe zuerst mal ganz genau auf die Zeit geschaut. Ich habe mich noch nicht freuen getraut, weil es ein unglaublicher Lauf war. Ich wusste, ich kann es aufholen, wenn ich genau meine Linie fahre und mich nicht verunsichern lasse. Wenn ich nur auf mich selbst schaue und nicht zum Gegner, das ist sehr schwer in unserem Sport, dass man sich da nicht ablenken lässt. Es ist einfach unbeschreiblich geil. Ich glaube es erst, wenn ich die Medaille in der Hand habe. Und dann vielleicht irgendwann mal unter Palmen in Hawaii, dass ich das Ganze realisiere.“
Das ganze Burgenland freut sich mit, es ist die erste Medaille bei Winterspielen.
Dujmovits: „Ja, ich bin so dankbar für alle, die mir die Daumen gedrückt haben. Und vor allem nach Mittwoch. Ich habe so viele Nachrichten gekriegt, dass ich es kann und nicht aufgeben soll und mich nicht fertigmachen lassen soll. Dass ich mich einfach nur auf mich konzentriere. Das habe ich gemacht. Ich möchte mich bei meinem Trainer bedanken, natürlich auch bei meiner Familie und meinem Freund, der ist kurzfristig nachgekommen. Er konnte nicht früher, weil er selbst Training hat.“
War es wichtig, dass Ihr Freund (Bernhard Sieber/Rudern) bei Ihnen war?
Dujmovits: „Ja, voll. Ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass ich am Tag vor dem Rennen und am Renntag ziemlich fokussiert bin. Ich habe ihm extra vorher noch eine SMS geschrieben, er darf nichts persönlich nehmen, wenn ich ihn voll ignoriere heute den ganzen Tag. Es ist voll das Verständnis da, weil wir beide Leistungssport machen. Es ist aber voll schön, wenn man weiß, dass jemand im Ziel steht.“
Wer sind die wichtigsten Menschen in ihrem Leben?
Dujmovits: „Meine Familie, mein Freund, meine Trainer. Als ich aufgrund meiner Verletzungen die Olympia-Quali für Vancouver nicht geschafft habe, habe ich schon überlegt, ob ich aufhöre oder weitermache. In so Momenten sind die Menschen so wichtig, die hinter einem stehen, ich bin so brutal dankbar. Es ist etwas sehr Persönliches, aber ich sage es jetzt, weil es mir wichtig ist. Meine Karriere hatte einen schwierigen Start. Wir hatten das beste burgenländische Snowboard-Team, das es gibt. Das waren die Menschen, die mir den Spaß am Snowboarden vermittelt haben. In Kaprun sind sie leider alle verunglückt (Brandkatastrophe in einer voll besetzten Standseilbahn im Jahr 2000/155 Menschen starben). Nachdem das passiert war, wollte ich nie wieder ein Snowboard sehen oder fahren. Aber danach ist das erste Mal der Traum entstanden. Ich dachte mir, okay: Wenn ich weiterfahre, hole ich Gold für meine Freunde. Es ist echt unglaublich. Das Team habe ich in meinem Herzen, das werde ich nie vergessen. Ich vermisse sie noch immer.“
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