Doping-Schock für ÖOC-Team: ÖSV wirft Langläufer Dürr raus

Der österreichische Skilangläufer Johannes Dürr ist in einer Dopingprobe positiv auf Erythropoetin (EPO) getestet worden. Das gab das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) am Sonntag bekannt. Der Athlet wurde aus der Olympia-Mannschaft ausgeschlossen. Er entschuldigte sich vor seiner Abreise „bei allen, bei meiner Familie, bei meiner Frau“.

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Die Nachrichten von der positiven Dopingkontrolle von Langläufer Johannes Dürr setzten ÖOC-Präsident Karl Stoss zu.
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Krasnaja Poljana - Ein positiver Dopingtest überschattet die für Österreich sportlich so erfolgreich verlaufenen Olympischen Winterspiele in Sotschi/Krasnaja Polajana. Und es betrifft wieder das Langlauf-Lager. Der 26-jährige Johannes Dürr, der als Mitfavorit für das Massenstart-Rennen über 50 km galt, ist positiv auf EPO getestet worden. Das gab das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) am Sonntag bekannt.

Laut Karl Stoss, dem Präsidenten des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), hat Langläufer Johannes Dürr bei der Konfrontation mit dem positiven Test Doping sofort zugeben. „Es wurde ihm auch offeriert, eine B-Probe zu machen. Das hat sich erübrigt. Die Disqualifikation ist damit endgültig.“ Dürr habe allein gehandelt. „Er hat gesagt, er ist ein Einzeltäter, niemand anders ist involviert“, sagte Stoss auf der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Krasnaja Poljana. Das EPO-Präparat habe sich Dürr „selbst verabreicht“.

Dürr: „Auf anderer Seite auch froh, dass es ein Ende hat“

Das ORF-Fernsehen hat Dopingsünder Johannes Dürr, der mitten in der Nacht vom ÖOC zum sofortigen Auszug aus dem Olympischen Dorf verdonnert worden ist, noch auf dem Flughafen von Sotschi vor der Heimreise nach Österreich erwischt. Der 26-jährige Niederösterreicher wirkte gebrochen, entschuldigte sich vor allem gegenüber seiner Familie und zeigte sich aber auch froh, „dass es ein Ende hat“.

„Es bleibt mir nichts anderes über, als mich bei allen zu entschuldigen, bei meiner Familie, bei meiner Frau“, sagte Dürr im ORF-Interview. Ob er sich bewusst gewesen sei, was er getan hat? „Schon, aber was für mich im Vordergrund steht, dass ich die Leute, die ich alle enttäuscht habe... Ich kann das nicht mehr gut machen, aber ich möchte mich einfach dafür entschuldigen. So viele Leute haben sich den Arsch für mich aufgerissen und ich habe sie enttäuscht mit meiner Blödheit.“

Der schwer gezeichnete Dürr wollte sich vorrangig nur entschuldigen. „Alle weiteren Schritte werden wir dann eh sehen, was noch alles auf mich zukommt. Das weiß ich selbst nicht einmal genau. Ich werde das Schritt für Schritt bewältigen. Das Wichtigste ist, dass mir die Familie das verzeihen kann und meine Frau, die alle so hart gekämpft haben für das. Mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen.“

In gewisser Weise zeigte der Niederösterreicher aber auch Erleichterung, denn auf die Frage, ob er Angst vor dem hat, was nun auf ihn zukommt, sagte er: „Angst nicht. Ich bin auf der anderen Seite froh, dass das ein Ende hat, ein Ende genommen hat.“ Ob er den falschen Menschen vertraut habe? „Mit Sicherheit ja. Es ist in jeglicher Hinsicht das Schlimmste, was ich in meinem Leben gemacht habe. Das ist ganz, ganz schwer, das kann man nicht in drei Sätzen erklären.“

Stoss: „Trauriges Kapital und ein schwarzer Sonntag für uns“

Stoss selbst stand der Schock ins Gesicht geschrieben. „Mir persönlich tut das wirklich unglaublich weh und auch sehr leid, weil wir ja tolle Spiele erlebt haben. Diese tollen und großartigen Leistungen der anderen Athletinnen und Athleten sollten dadurch nicht in den Hintergrund gerückt werden. Die haben ehrlich diese tollen Leistungen errungen. Leider haben wir jetzt zum Schluss einen Einzeltäter, der überführt werden konnte. Das ist wirklich ein trauriges Kapital und ein schwarzer Sonntag für uns“, sagte er.

Dürr habe sofort sein Zimmer im Olympischen Dorf räumen müssen, man habe ihm ein Zimmer außerhalb zur Verfügung gestellt und auch die sofortige Abreise für Sonntagvormittag organisiert. Die Nennung für das Massenstart-Rennen wurde zurückgezogen.

Langlauf-Sportdirektor Markus Gandler ist schockiert. „Er ist total erschüttert. Ihn hat es wahrscheinlich am allerschwersten getroffen. Denn er hat versucht, den Langlaufsport wieder nach vorne zu bringen. Für ihn ist eine Welt zusammengebrochen, er war zu tiefst erschüttert“, berichtet Stoss.

Man sei vom IOC in der Nacht auf Sonntag informiert worden, dass Dürr bei einer Trainingskontrolle am 16. Februar in Österreich positiv auf ein EPO-Präparat getestet wurde. Daraufhin habe man den Athleten davon in Kenntnis gesetzt. Der 26-jährige Dürr war am Freitag und damit erst zwei Tage vor seinem geplanten, zweiten Olympiaeinsatz nach Krasnaja Poljana gekommen. Am 9. Februar hatte er bereits den Skiathlon über 30 km (8. Platz) bestritten, war danach aber zum Training nach Obertilliach in Osttirol gereist. Dort fand offenbar auch die verhängnisvolle Dopingkontrolle statt.

ÖSV greift hart durch

Mit aller Härte hat der Österreichische Skiverband (ÖSV) noch am Sonntag auf das Dopingvergehen von Langläufer Johannes Dürr während der Olympische Spiele reagiert. In einer Aussendung teilte der ÖSV mit, dass der Sportler aus dem Verband ausgeschlossen wird.

Damit muss über die Länge einer Doping-Sperre gar nicht mehr diskutiert werden, denn ein Ausschluss aus dem Verband ist praktisch mit dem Karriere-Ende gleichzusetzen.

„Seit den Erfahrungen von Turin hat Präsident Prof. Peter Schröcksnadel mit seinem Vorstand eine genaue Regelung bei Dopingvergehen für ÖSV-Aktive getroffen“, hieß es in dem ÖSV-Schreiben. Die klare Konsequenz sei: „Wer des Dopings überführt wird, wird aus dem Verband ausgeschlossen. Es ist ein Betrug gegenüber allen anderen Sportlerinnen und Sportlern, der von Seiten des Verbandes auf das Schärfste verurteilt wird.“

Der ÖSV wies darauf hin, dass die Aktiven des Verbandes seit den Vorfällen von Turin bei jeder Besprechung von Präsident Schröcksnadel darauf hingewiesen werden und wurden, dass Dopingvergehen den Ausschluss aus dem ÖSV zur Folge haben. (APA)


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