IOC zufrieden: „Spiele der Athleten“ in Sotschi feierlich beendet
Die 22. Olympischen Winterspiele in Sotschi sind Geschichte. Für Österreich waren es mit 17 Medaillen die dritterfolgreichsten Winterspiele. Snowboard-Olympiasiegerin Julia Dujmovits trug zum Abschluss die rot-weiß-rote Fahne.
Sotschi - Die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi sind am Sonntag um 19.08 Uhr MEZ (22.08 Uhr Ortszeit) von IOC-Präsident Thomas Bach im Stadion Fischt beendet worden. „Es gibt kein größeres Kompliment als im Namen aller Teilnehmer zu sagen: Das waren die Spiele der Athleten“, sagte der Deutsche. Das Großereignis hat dem ÖOC-Team mit vier Gold, acht Silber und fünf Bronze 17 Medaillen und Rang neun in der von Russland gewonnenen Medaillenwertung gebracht.
Die XXIII. Olympischen Winterspiele werden vom 9. bis 25. Februar 2018 in Pyeongchang in Südkorea stattfinden. Davor wird Rio de Janeiro vom 5. bis 21. August 2016 Gastgeber der XXXI. Olympischen Sommerspiele sein. In Sotschi folgen nun noch vom 7. bis 16. März die XI. Paralympischen Winterspiele der körperbehinderten Sportler.
Bach hatte knapp ein halbes Jahr nach Beginn seiner Amtszeit am Ende einer sympathischen, aber keinesfalls euphorischen Show im Stadion Fischt das 17-tätige Spektakel auf Eis und Schnee nicht als das beste der Geschichte bezeichnet, wie es viele seiner Vorgänger getan hatten. Bevor um 22.15 Uhr die olympische Flamme erlosch, würdigte er die Gastgeber als „effizient und freundlich, patriotisch und weltoffen“.
„Unsere Spiele waren wirklich cool“
Er dankte den vielen freiwilligen Helfern: „Ihr habt mit eurer herzlichen Freundlichkeit jeden Tag die Sonne für uns scheinen lassen.“ Sotschis OK-Chef Dmitri Tschernyschenko stellte nach 98 Entscheidungen zufrieden fest: „Unsere Spiele waren wirklich cool. Wir haben bewiesen, dass wir jede Herausforderung meistern können. Für uns waren es die besten Spiele, die es je gegeben hat. Wir haben den olympischen Gipfel erklommen. Diese Spiele gehören für immer uns.“
Gleich zum Auftakt der vom Schweizer Theaterregisseur Daniele Finzi Pasca inszenierten Gala hatten die Gastgeber Humor bewiesen. 700 Mitwirkende in Glitzerkostümen stellten die Panne bei der Eröffnung nach, als sich der fünfte Ring zunächst nicht geöffnet hatte. Dies zauberte auch Wladimir Putin ein Lächeln ins Gesicht. Der Kreml-Chef wirkte sichtlich zufrieden und glücklich.
Kein Wunder, stellte der Gastgeber mit 33 Medaillen doch die stärkste Nation bei den Sotschi-Spielen. Zur Belohnung durften alle Olympiasieger die russische Fahne in das voll besetzte Stadion tragen, wo 40.000 Zuschauer anschließend ergriffen der von einem Kinderchor und 1000 Stimmen intonierten Nationalhymne lauschten.
Dujmovits Österreichs Fahnenträgerin
Dann folgte der Einmarsch der Fahnenträger, für Österreich war Snowboard-Olympiasiegerin Julia Dujmovits mit Rot-weiß-rot unterwegs. Wenig später folgten zu Techno-Pop-Klängen die Teams. Unter tosendem Applaus beschlossen Russlands Olympia-Helden den Athletenreigen. Das Großereignis hat dem ÖOC-Team mit vier Gold, acht Silber und fünf Bronze 17 Medaillen und Rang neun in der von Russland gewonnenen Medaillenwertung gebracht.
Einen emotionalen Höhepunkt erlebte auch Norwegens Ski-Königin Marit Björgen, die aus den Händen von IOC-Boss Thomas Bach die Goldmedaille für ihren Langlauf-Triumph über 30 km erhielt. Auch Russlands drei Top-Langläufer um 50-km-Olympiasieger Alexander Legkow wurden geehrt und von den Zuschauern mit Helden-Rufen gefeiert.
Bach: Messlatte liegt hoch
Nach Ansicht Bachs liegt die Messlatte in vier Jahren hoch. „Unsere Gastgeber hatten versprochen: Exzellente Sportstätten, herausragende olympische Dörfer und eine tadellose Organisation. Heute können wir sagen: Russland hat alle seine Versprechen gehalten.“
Einen persönlichen Dank richtete er an Putin und verabschiedete sich mit den Worten: „Wir kamen mit großem Respekt vor der reichen und vielschichtigen Geschichte Russlands. Wir gehen als Freunde des russischen Volkes.“
Dopingfall trübte Österreichs Medaillenjubel
Mit einer Doping-“Keule“ sind für Österreich die Spiele in Sotschi zu Ende gegangen. Der Jubel über 17 Medaillen und die dritterfolgreichsten Winterspiele in Österreichs Olympia-Geschichte wurde vom gedopten Langläufer Johannes Dürr überschattet. Die Kanadier holten im Eishockey die letzte Goldmedaille und die Veranstalter sprachen von einem „kolossalen Erfolg“.
Österreichs Olympia-Team befand sich nach dem Medaillenregen vom Samstag noch im Jubelrausch, als Sonntagfrüh die Dopingmeldung aus dem Langlauflager in Sotschi wie eine Bombe einschlug. Der 26-jährige Niederösterreicher Johannes Dürr, der am Sonntag im 50 km Langlauf-Rennen der Herren zu den Medaillenanwärtern zählte und der zwischenzeitlich zwecks besserer Vorbereitung in die Heimat zurückgereist war, wurde am 16. Februar bei einer Trainingskontrolle in Österreich positiv auf ein EPO-Präparat getestet. Dürr trat damit eine Lawine los, die das Ende des Langlaufsports im Österreichischen Ski-Verband (ÖSV) bedeuten könnte.
Das Österreichische Olympische Komitee traf der Dopingfall am Schlusstag der Winterspiele laut Präsident Karl Stoss „wie eine Keule“. Der ertappte Sünder zeigte sich geständig.
Russland erfolgreichste Nation
Gastgeber Russland sicherte sich mit insgesamt 13 Gold-, 11 Silber- und 9 Bronzemedaillen den Sieg in der Nationenwertung, Österreich landete mit insgesamt 17 Stück (4/8/5) auf Platz neun. Die 98. und letzte Entscheidung, das Eishockey-Finale der Männer, endete mit einem souveränen 3:0-Erfolg der Kanadier über Schweden. Und Biathlon-Superstar Ole Einar Björndalen avancierte in Sotschi zum erfolgreichsten Olympioniken bei Winterspielen. Der Norweger hält bei achtmal Gold, viermal Silber und einmal Bronze und plant nun mit Saisonende seinen Rücktritt.
Veranstalter sprechen von „kolossalem Erfolg“
Russland bezeichnete das Olympia-Spektakel am Schwarzen Meer zum Abschluss als „kolossalen Erfolg“. Eine positive Bilanz zog bereits vor der Schlussfeier auch IOC-Präsident Thomas Bach. Es seien „ausgezeichnete Spiele“ gewesen, die in mehreren Bereichen Rekorde aufgestellt hätten, erklärte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees. 2.876 Athleten aus 88 Ländern waren am Start. „Jetzt wird es wichtig sein, die Nachhaltigkeit dieser Spiele zu sichern. Ein paar Schritte sind bereits eingeleitet, die Formel 1 und die Fußball-WM 2018 werden hier zu Gast sein“, so Bach. Die tolle Bilanz der ersten Winterspiele in Russland bedeute aber nicht, dass das IOC in Zukunft immer in neue Regionen und neue Märkte gehen würde.
Gegner hatten die ersten Olympia-Winterspiele unter Palmen mit Rekordausgaben von 37,5 Milliarden Euro lange als eine sündhaft teure Laune von Kremlchef Wladimir Putin gerügt. Kritik gab es auch wegen Menschenrechts- und Umweltschutzfragen. Am Ende konnte sich der 61-Jährige Putin aber über ein gelungenes Sportfest freuen. Punkto Sicherheit und Organisation lief letztlich alles wie am Schnürchen. Sportler aus aller Welt berichteten überwiegend Positives über die Spiele und für Russland selbst lief sportlich doch noch alles gut. Der russische Präsident zeigte sich am Ende denn auch zufrieden. „Ich hoffe, dass in Sotschi die Wettkampfstätten noch 100 Jahre und länger dienen.“ (APA, dpa, TT.com)
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