Mit Pioniergeist und einer Hand voll Schillingen

Die Rattenberger Schlossbergspiele feiern heuer ihr 60-jähriges Bestehen. Der Verein kann auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken.

„Franziskus – Der Narr Gottes“ war eines der Stücke von Felix Mitterer, die auf dem Schlossberg in Rattenberg wirkungsvoll vom Theaterverein in Szene gesetzt wurden.
© Grießenböck

Von Gabriele Grießenböck

Rattenberg – Heute zählen die Schlossbergspiele mit über 10.000 Besuchern pro Sommer zu einer der größten Freilichtbühnen Tirols. Das Spiel vor der historischen Burgruine ist mittlerweile zum fixen Bestandteil im Tiroler Sommertheatergeschehen geworden.

Vor 60 Jahren sah dies aber noch ganz anders aus. „Den heutigen Erfolg hätte sich damals keiner erträumt“, erinnert Obfrau Claudia Lugger an die Anfänge. Der Verein startete mit viel Pioniergeist, aber leeren Geldtaschen: „3000 Schilling mussten vom damaligen Verkehrsverein ausgeliehen werden.“

Angefangen hatte alles 1954, als eine Hand voll Rattenberger Bürger den Theaterverein gründete. Der Spielort, hoch oben vor der historischen Burgruine, stellte die Gründungsväter auf eine harte Probe. „Weil der Torbogen der Festung für Bagger und Kran zu schmal war, mussten die Bühnenteile und Zuseherreihen per Hand hinaufgetragen werden“, erinnert Lugger.

In mühevoller Kleinstarbeit entstand so der 25 Meter lange Bühnenboden mit 700 Sitzplätzen. Der Verein wuchs schnell und mit Nestroys Posse „Lumpazivagabundus“ feierte das Ensemble seine erste Freiluftaufführung.

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Und die übertraf alle Erwartungen. Massenweise drängten die Leute zur Premiere. Über 3000 Zuseher verfolgten das Spiel, zum Teil stehend zwischen den Aufgängen und der Wiese. Das geliehene Geld wurde bis zum letzten Groschen zurückbezahlt.

So begann die Erfolgsgeschichte der Schlossbergspiele Rattenberg, die in nunmehr 60 Jahren nicht weniger als 1400 Aufführungen auf die Bühne brachten. Darunter echte Kassenschlager wie „Der Kanzler von Tirol“ und „Die heilige Notburga“, deren Wirkung weit über die Grenzen Rattenbergs hinaus für Furore sorgte. „Busweise kamen die Zuseher und wir hatten oft zwei Vorstellungen am Tag“, so Lugger, die bereits als Kind auf der Bühne stand und seit 2002 das Theaterensemble leitet.

Die Welle des Erfolgs hält bis heute an. Namhafte Autoren wie Felix Mitterer schrieben Auftragswerke für Rattenberg. Profiregisseure leiten heute das Ensemble. Und auch in diesem Jahr warten Tausende Theaterliebhaber freudig darauf, was sich der Verein wieder einfallen lässt. Eines kann jetzt schon verraten werden: Mit „Philippine Welser – schöne Herzogin“ nach Emanuel Schikaneder wird am 27. Juni ein Stück Tiroler Geschichte seine Premiere in Rattenberg feiern.


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