Der Felbertauern prägt sein Leben

Viele kennen sein Gesicht: Der Matreier Franz Mariacher arbeitet seit fast 30 Jahren als Mautner am Felbertauern. Sein Vater starb 1964, zwei Tage vor seiner Geburt, nach einem Arbeitsunfall – beim Bau des Felbertauerntunnels.

Von Claudia Funder

Matrei i. O. –Der Mautner Franz Mariacher besticht durch seine Bodenständigkeit und ehrliche Direktheit im besten Sinn des Wortes. Mit seinem offenen, aufgeschlossenen Wesen ist er prädestiniert für seinen Job, bremsen doch täglich Hunderte Fahrzeuglenker bei seinem Kassenhäuschen am Südportal des Felbertauern ab, um ihre Mautgebühr zu entrichten. Mariacher ist quasi der Erste, der die Fahrer – darunter viele Pendler und Gäste – an der „Pforte“ nach Osttirol begrüßt. „Im Juli sind es 30 Jahre, dass ich hier arbeite“, blickt der 49-Jährige auf seine langjährige Tätigkeit bei der Straßengesellschaft zurück.

Der Felbertauern prägte sein Leben – aber nicht nur in beruflicher Hinsicht. Auch ein dramatisches Ereignis ist eng mit Mariachers Geschichte verknüpft. „Mein Vater war als Mineur am Bau des Felbertauerntunnels beteiligt“, erzählt er. „Am 22. September 1964 kam es bei einer Sprengung zu einem Arbeitsunfall, bei dem er schwer verletzt wurde. Am darauffolgenden Tag starb mein Vater, nur zwei Tage vor meiner Geburt.“

Der damalige Vorstand des Unternehmens, Kurt Schlick, übernahm die Patenschaft für den Halbwaisen, der übrigens den gleichen Vornamen wie sein verstorbener Vater trägt. Bereits damals war Mariachers Mutter ein Arbeitsplatz für ihren Sohn bei der Straßengesellschaft zugesichert worden, falls dieser einmal Interesse haben würde.

Mariacher wuchs in Virgen heran und lernte das Handwerk des Maurers. Als er mit einem Trupp einen Auftrag im Pinzgau ausführte und dabei immer wieder den Felbertauern passierte, entschloss er sich für einen Jobwechsel. „Mit 19 Jahren begann ich als Mautner zu arbeiten und habe den Schritt bisher keinen Tag bereut“, erklärt Mariacher, der auch bei der Betriebsfeuerwehr und der Feuerwehr Matrei aktiv ist.

Ein freundliches Wort hat er immer auf Lager, wenn er das Fenster seiner Mautbox öffnet. „Aber ich muss mich kurz halten, sonst beginnt bei den nachfolgenden Lenkern ein Hupkonzert“, lacht er.

Auch von Prominenten, die an ihm vorbeirollten, weiß der 49-Jährige zu berichten. So hielten etwa das Schlager-Duo Brunner & Brunner, Udo Jürgens, Bergsteigerlegende Peter Habeler oder Ski-Ass Bode Miller mit seinem Wohnmobil vor seiner Mautbox. Und Hansi Hinterseer finde jedes Mal ein paar nette Worte, wenn er auf den Mautner treffe, freut sich dieser.

Im Alltag gilt es, stets freundlich zu sein, ruhig zu bleiben und sich nicht stressen zu lassen, auch wenn manche Lenker über die Maut diskutieren wollen oder wegen Navi-Problemen die falsche Route einschlugen und deshalb schon einmal ungehalten sind.

Das Kassensystem hat sich im Laufe der Zeit deutlich vereinfacht. „Früher haben wir alle Währungen angenommen. Es musste stets umgerechnet und in Schilling herausgegeben werden“, erinnert sich der Matreier. Und die Mautboxen bieten heute mit Klimaanlage und Radio einen hohen Komfort, von dem früher nur geträumt werden konnte: „Da konnte es schon passieren, dass sich im Winter die Tür oder das Fenster nicht öffnen ließen, weil sie festgefroren waren.“

Optisch ist er ein prägnanter Typ: Mit Glatze, Kinnbart und Tatoos auf dem Arm erkennen ihn Gäste selbst nach Jahren wieder.

Dass Mariacher trotz seines kantigen Äußeren einen weichen Kern hat, zeigt sich vor allem auch privat. Der Matreier ist ein Familienmensch, wie er im Buche steht. Die Namen seiner Kinder Manuel, Domi und Chiara sowie den seiner Frau Magdalena hat er sich sogar auf den Arm tätowieren lassen – neben einem Koi-Fisch und einer Muttergottes, die den passionierten Motorradfahrer beschützen sollen. Die Familie wächst. „In Kürze bin ich vierfacher Opa“, erzählt er stolz und will die Tatoos auf seinem Arm um die Namen seiner Enkelkinder ergänzen.

Seine Arbeit am Felbertauern stehe in der Wertigkeit gleich nach seiner Familie, betont er, und schwärmt: „Das Betriebsklima ist top, man findet hier stets ein offenes Ohr. Ich erzähle immer gern, dass ich bei der Felbertauernstraße AG arbeiten kann und darf.“

Auf den Bau der neuen Trasse, der im April starten soll, freut er sich. „Ich bin gespannt, wie sie von den Leuten angenommen wird.“ Vor allem auch von Bikern, für die der Mautner immer wieder Tipps in puncto Routen und Lokale parat hat. „Die Felbertauernstraße wird als Motorradstrecke immer beliebter“, weiß Mariacher – selbst gern und oft mit seinem Zweirad unterwegs – und ergänzt: „Die Biker werden älter, selbst 70-Jährige sind heute keine Seltenheit mehr.“


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