Keine Chance den Rap-Klischees: Tiefsinntaucher im Wunschkonzert

In einer Musikwelt, in der Männer den Ton angeben, kämpft das weibliche Rapduo Tiefsinntaucher aus Telfs mit intelligenten Texten um Respekt. Im TT-Wunschkonzert stellten sie ihren neuen Track „Schreibblockaden“ in einer Unplugged-Version vor.

Von Simon Hackspiel

Telfs – Frauen fallen im Hiphop vor allem durch viel nackte Haut auf, während Männer den Ton angeben. Soweit das Klischee, das auch häufig genug sowohl im englisch- aus auch im deutschsprachigen Rap bedient wird. Bettina Filips und Sabine Reiter aus dem Tiroler Oberland zeigen mit ihrer Art von Sprechgesang, dass Hiphop auch ganz anders geht.

Beim TT-Wunschkonzert suchen sich ausgewählte Tiroler Musiker bzw. Bands einen Ort aus, an dem sie einen Song für unsere Kamera spielen.

Leicht wird es ihnen in der Szene nicht gemacht. „Wir müssen immer erst beweisen, dass wir nicht nur Haus-Maus-Reime drauf haben, damit uns die Leute ernst nehmen“, meint Bettina nach dem TT-Wunschkonzert im Café Rössl in Telfs. Unterstützt durch David Köhle (Akustikgitarre) und dessen Bruder Jakob (Cajon) stellte das Rapduo dort unplugged seinen neuesten Song „Schreibblockaden“ vor. Mit bestechender Wortgewandtheit und viel Witz wird darin jene lähmende Ideenlosigkeit beschrieben, die fast jeden Schreiberling dann und wann zur Verzweiflung bringt.

Erfolg beim Protestsongcontest

Statt mit Reimen unter der Gürtellinie punkten Tiefsinntaucher mit intelligenten Texten zu Themen, die sie zum Nachdenken bringen. Ihrem Ärger über „Vater Staat“ ließen sie im Februar letzten Jahres beim FM4-Protestsongcontest freien Lauf, was ihnen den vierten Platz unter 250 Bewerbern einbrachte. (Link: „Vater Staat“ live beim Protestsongcontest: http://go.tt.com/1kv4Y3Q ) Plötzlich weckte das Duo, das sich erst Mitte 2012 formiert hat, die Aufmerksamkeit nationaler Veranstalter. Dem Auftritt beim Protestsongcontest vor 600 Zuhörern folgten Gigs in Graz und Wien.

Aber obwohl zwei rappende Frauen den Vorteil haben aus der Masse hervorzustechen, denken Tiefsinntaucher derzeit nicht daran sich professionell zu vermarkten. „Das Booking schaffen wir locker selbst und wir arbeiten auch nicht auf einen Label-Vertrag hin. Wichtig ist, dass wir Spaß an der Sache haben“, betont Sabine. „Sich Dinge von der Seele zu schreiben, tut einfach gut“, so das Credo. Mittlerweile haben die beiden 13 Songs im Repertoire, noch heuer ist die Veröffentlichung einer EP im Eigenvertrieb geplant. Regelmäßig sind sie im Club Aftershave in Innsbruck zu Gast, wo sich eine kleine Hiphop-Szene gebildet hat. Für 22. März ist ein Auftritt im Jimmys geplant.

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Das Gespür für den richtigen Flow beim Reimen haben „Betti“ und „Bine“ bereits in ihrer Schulzeit bei Jam-Sessions im Innsbrucker Jugendzentrum Z6 verinnerlicht. Beeinflusst von Hiphop á la Blumentopf oder Torch wuchs der Wunsch selbst zu texten. Vorbilder sind zudem Fiva MC, Mieze Medusa oder Yasmo - alles Rapperinnen die sich in der Männerdomäne Hiphop behaupten konnten.

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Fünf Fragen an: Tiefsinntaucher

Was ist die Triebfeder für euer Schaffen?

Tiefsinntaucher: Das was uns selbst und die Leute in unserem Umfeld bewegt oder auch aufregt. Das kann Kritik an Politik oder Gesellschaft sein, aber auch persönliche Dinge. Sich etwas von der Seele zu schreiben ist eine Art Therapie. Aber wichtig ist uns auch Spaß und Wortwitz in den Texten, viele Dinge kann man mit einem Augenzwinkern sehen.

Was unterscheidet für euch guten von schlechtem Rap?

Tiefsinntaucher: Thematik, Lyrik, Technik, Reimstruktur, Flow und Beats sind natürlich sehr wichtig. Und es geht uns um ein gewisses Niveau, Hiphop muss nicht beleidigend sein. Mit Bushido und so weiter können wir nichts anfangen. Wir haben allerdings einen Song geplant, in dem es um das ganze Gangster-Rap-Ding geht. Da nehmen wir die Rapszene, aber auch uns selbst aufs Korn.

Wie entstehen eure Texte und Beats?

Tiefsinntaucher: Meistens hat einer von uns eine Idee, die wir dann gemeinsam entwickeln. Aber es wird auch alleine geschrieben. Was die Beats angeht, versuchen wir bei der neuen Platte mal eine andere Variante und holen uns Musiker ins Boot mit denen wir den Sound erarbeiten und schließlich einspielen wollen.

Wie sieht es mit der Hiphop-Szene in Tirol aus?

Tiefsinntaucher: In Innsbruck gibt es ganz gute Auftrittsmöglichkeiten. Linz ist ja in Österreich eigentlich die Hiphop-Hochburg, aber es gibt in Tirol auch gar nicht so wenig. Eine kleine, feine Hiphop-Szene eben.

Was habt ihr in näherer Zukunft geplant?

Tiefsinntaucher: Möglichst viel auftreten und hoffentlich noch 2014 eine EP mit zirka acht Tracks veröffentlichen. Für uns ist die Hauptsache, dass der Spaß im Vordergrund bleibt.

Mehr Infos: http://tiefsinntaucher.bandcamp.com

Soundstube Tirol auf Facebook: https://www.facebook.com/SoundstubeTirol


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