Ruhig, charmant und unendlich weit

Trotz stark frequentierter Parkplätze gibt es in der Kelchsau im Tiroler Unterland noch genügend Skitourenmöglichkeiten – auch abseits der Massen. Die Aleitenspitze (2449 Meter) ist ein Beispiel dafür.

Nach rund zwei Stunden erreicht man durch den Wald unschwierig die Bamberger Hütte (1756 Meter), ein Ausgangspunkt für viele Skitouren im „kurzen“ Grund.
© Strasser

Hopfgarten –Die Kelchsau, ein idyllischer Ortsteil von Hopfgarten im Brixental, gilt schon lange als Geheimtipp für Skitourensportler. Die Zahl an „süchtigen“ Gipfelstürmern hat in den vergangenen Jahren, insbesondere an den Wochenenden, auch dort ständig zugenommen.

Vor allem unsere Nachbarn aus Bayern pilgern in Scharen in die Kelchsau, um Klassiker wie Schafsiedel, Steinbergstein oder Stanglhöhe zu erklimmen. Trotzdem: Bei dieser Vielzahl an Spitzen und Kuppen findet man immer noch den einen oder anderen Geheimtipp, um dem Massen-Skitouren-Tourismus zu entfliehen.

Josef „Pepi“ Moser, der pensionierte Direktor des Polytechnischen Lehrganges in Hopfgarten, kennt die Gipfel in der Kelchsau wie seine Westentasche. Kein Wunder, denn der mittlerweile 75-Jährige hat weit über 1000 Skitouren alleine in der Kelchsau zu Buche stehen. Für den begnadeten Krippenbau-Kursleiter mit Osttiroler Wurzeln gibt es im „langen“ und „kurzen“ Grund, dem Ausgangspunkt der meisten Skitouren in der Kelchsau, keinen Stein oder Baum, über welchen er nicht Bescheid weiß. Ganz zu schweigen von den verschiedenen Aufstiegs- und Abfahrtsvarianten. Pepi Moser hat sie alle selbst ausprobiert und getestet. Etliche Male, bei allen Schnee- und Witterungsverhältnissen.

Die Aleitenspitze (2449 Meter) gehört zu den Lieblingstouren von Pepi Moser. Einerseits ist die Aussicht auf einem der höchsten Berge in den Kitzbüheler Alpen mit Blick auf die Hohen Tauern (inklusive Großglockner und Großvenediger), das Kitzbüheler Horn oder den Wilden Kaiser einzigartig. Andererseits sind selbst an stark frequentierten Tagen kaum Skitourengeher in Richtung Aleitenspitze anzutreffen. „Das Hauptaugenmerk liegt noch immer auf dem benachbarten Schafsiedel und nicht bei der Aleitenspitze“, verrät Moser einen seiner Geheimtipps.

Vor allem bei schönem Wetter kommen Sonnenanbeter voll und ganz auf ihre Kosten. Mit 1335 Höhenmetern ist die Tour bei durschnittlicher Kondition auch leicht zu schaffen. Die schier unendlich weiten und eher flachen Almenwiesen von der Bamberger Hütte aus bis hin zum massiven Gipfelaufbau ziehen sich ziemlich in die Länge. Das charmante Ambiente während des Aufstieges entschädigt allerdings so manche Strapazen dieses „Hatschers“.

Die Tour kann aufgrund der Hangneigungen als relativ sicher eingestuft werden. Lediglich im letzten Teil, beim Aufstieg in die Einsattelung zwischen Schwebenkopf (l.) und der Aleitenspitze (r.) auf den südlich ausgerichteten Gipfelgrat sind sichere Verhältnisse und Spitzkehrentechnik erforderlich. Je nach Schneelage erreicht man von hier aus entweder mit Skiern oder zu Fuß in rund 15 Minuten das Gipfelkreuz.

Hat man den traumhaften Rundblick und die Gipfeljause erst einmal genossen, stehen für die Abfahrt mehrere Varianten zur Verfügung. Fährt man den Aufstiegsspuren entlang zurück zur Bamberger Hütte, empfiehlt es sich, kurz vor der Hütte nochmal für ca. 150 Höhenmeter aufzufellen und über den unteren Wildalmsee, das Manzenkar und den Forstweg zurück zum Gasthaus Wegscheid zu fahren.

Bei sicheren Verhältnissen bietet sich für geübte Skifahrer die steile Gipfel-Nordflanke und ebenfalls das Manzenkar als atemberaubende Alternative an. (flex)

Tourendaten zur Aleitenspitze (2449 Meter) – Kelchsau

Ausgangspunkt: Kelchsau, Gasthaus Wegscheid im „kurzen“ Grund. Beim Schranken ist die Gebühr von 4 Euro zu entrichten. Parkmöglichkeiten beim Gasthaus Wegscheid (an Wochenenden stark besucht). Aufstieg durch den Wald bis zur Bamberger Hütte. Von hier Richtung Süden bis zur nächsten Mulde mit einer kleinen Almhütte. Nach rechts und über kupierte Almwiesen nach Westen bis zur Einsattelung zwischen Schwebenkopf (l.) und Aleitenspitze (r.). In Spitzkehren auf den Gipfel-Südgrat. Zu Fuß oder mit Skiern auf den Gipfel. Abfahrt: Entweder entlang der Aufstiegsspur zur Bamberger Hütte (auffellen) und das Manzenkar zurück zur Wegscheid. Alternativ über die Nordflanke des Gipfels (sehr steil) und ebenfalls über das Manzenkar. Daten: 1335 Höhenmeter. Gehzeit: ca. 4 Std. Länge der Tour: 8,6 km. Schwierigkeit: mittel. Lawinengefahr: bis zum Fuße des Gipfelhanges ziemlich sicher. Gipfelhang bei sicheren Verhältnissen. Infos: www.lawine.at bzw. der App Lawine Tirol


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