Ärzte ohne Grenzen moniert Gesundheitsversorgung in Afghanistan

Ärzte ohne Grenzen richten einen Appell an die internationalen Geber und Hilfsorganisationen.

Kabul – Bei der Gesundheitsversorgung in Afghanistan wurden in den vergangenen zwölf Jahren Fortschritte erzielt, doch von einer Erfolgsgeschichte kann keine Rede sein. Das geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hervor. Demnach existieren die Gesundheitseinrichtungen häufig nur auf dem Papier, funktionieren aber in der Praxis nicht wie erwünscht.

Jeder fünfte von mehr als 800 befragten Patienten berichtete, dass 2013 ein Familienangehöriger oder enger Freund gestorben sei, weil er nicht rechtzeitig medizinische Hilfe erhielt. 40 Prozent der Patienten in den Krankenhäusern berichteten von Kämpfen, Minen, zeitraubenden Straßenkontrollen oder Bedrohungen auf dem Weg in die Klinik. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitet in vier Krankenhäusern in den Provinzen Kabul, Kundus, Chost und Helmand.

Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass sie die nächstgelegene Gesundheitseinrichtung nicht erreichen oder dort nicht angemessen behandelt werden konnten. Sie mussten deshalb weit längere Distanzen zurücklegen - was das Risiko und die Kosten vergrößerte. „Die Menschen berichteten von Kliniken ohne Medikamente, qualifiziertes Personal und Elektrizität. Viele machen Schulden, um die Behandlung bezahlen zu können“, erklärte Christopher Stokes, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Belgien, von wo aus die Projekte in Afghanistan koordiniert werden.

Die Organisation rief internationale Geber, Hilfsorganisationen und afghanische Behörden auf, dringend die gravierenden Mängel in der Gesundheitsversorgung anzugehen. Humanitäre Hilfe dürfe nicht für politische oder militärische Zwecke missbraucht werden. (APA/AFP)


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