Janukowitsch plante blutige Niederschlagung der Proteste

An der geplanten Niederschlagung hätten 22.000 Polizisten teilnehmen sollen, erklärte ein Abgeordneter. Die Regierungsbildung wurde am Dienstag um zwei Tage verschoben.

Demonstranten tragen einen Verletzen zum nächstgelegenen Lazarett.
© Reuters/DAVID MDZINARISHVILI

Kiew – Der gestürzte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat die Demonstrationen gegen ihn offenbar mit einem Großeinsatz Tausender Sicherheitskräfte niederschlagen wollen. Dies geht aus Dokumenten hervor, die Journalisten zufolge in der nahe Kiew gelegenen Residenz Janukowitschs gefunden wurden und die ein Abgeordneter der bisherigen Opposition ins Internet stellte.

Nach den Plänen sollte der Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew umstellt werden, Scharfschützen hätten das Feuer auf die Demonstranten eröffnen sollen. Rund 22.000 Polizisten, darunter 2.000 Spezialkräfte sollten an der Aktion beteiligt werden.

Mit der Veröffentlichung solle der Druck auf die neue Führung erhöht werden, den flüchtigen Janukowitsch vor Gericht zu stellen, sagte der Abgeordnete Hennadi Moskal. Der Ex-Präsident wird mit Haftbefehl gesucht, ihm wird Massenmord vorgeworfen. Bei Feuergefechten zwischen der Polizei und Janukowitsch-Gegnern auf dem Unabhängigkeitsplatz wurden vergangenen Woche mindestens 88 Menschen getötet. Die Demonstranten hielten den Platz drei Monate lang besetzt.

Regierungsbildung auf Donnerstag verschoben

Das ukrainische Parlament hat inzwischen die Bildung einer Regierung auf Donnerstag verschoben. Parlamentspräsident Olexander Turtschinow begründete dies am Dienstag in Kiew damit, es seien noch weitere Konsultationen nötig. Eigentlich war die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten für Dienstag erwartet worden.

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Die Übergangsregierung soll das Land nach dem Sturz von Staatschef Viktor Janukowitsch zu Neuwahlen am 25. Mai führen. Bisher gibt es aber noch keinen offiziellen Kandidaten. (APA/Reuters/AFP)


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