Auto-Notruf soll Tausende Leben retten

2500 Verkehrstote weniger pro Jahr. Das erhofft sich die EU durch ein automatisches Notrufsystem in Pkw. Doch es gibt auch Kritiker.

Straßburg –Das EU-Parlament wird heute dem automatischen Notrufsystem „eCall“ – voraussichtlich mit breiter Mehrheit – zustimmen. Das System soll, unabhängig vom Fahrer, die Rettungszentrale verständigen, wenn das Auto in einen Unfall verwickelt ist.

Kritik am System kam gestern von der grünen Europaabgeordneten Eva Lichtenberger. Die Grünen würden dem System aus mehreren Gründen nicht zustimmen, meinte sie: So sei es noch zu unausgegoren. „Es kommt zu sehr vielen Fehlalarmen.“ Die Möglichkeit, das System abzuschalten, berge zudem versicherungstechnische Probleme. „Wenn der Fahrer ausschaltet, und der Mitfahrer wird bei einem Unfall verletzt, bei dem er aber bei eingeschaltetem System hätte gerettet werden können, stellt sich die Frage, wie das von der Versicherung behandelt wird“, gibt sie zu bedenken. Zudem existiere in den meisten Staaten keine zentralisierte Stelle, wo der 112er Ruf eingehen könne.

Genau deshalb seien auch einige Mitgliedsstaaten zurückhaltend, sagt ÖAMTC-Sprecher Stefan Saumweber. Und deren Nein könnte die Umsetzung schon im kommenden Jahr noch verhindern.

Aber auch die Datenschützer haben Bedenken. Sie sehen darin einen weiteren Schritt zum „gläsernen Autofahrer“. Für sie liefert das System die Grundlage für eine flächendeckende Überwachungsstruktur. Das Fahrzeug werde so zum Zeugen gegen den Fahrer, warnen Autofahrerclubs. Saumweber vom ÖAMTC, der das System grundsätzlich begrüßt, betont: „Das System darf nur ein Minimum an Daten weiterleiten. Denn der Fahrzeuglenker muss der Besitzer aller Daten bleiben und selbst entscheiden können, wer diese erhält.“ (sta)


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