Gesucht sind junge Alte und engagierte Junge

Die Hälfte aller Tiroler ist ehrenamtlich tätig. Damit es nicht weniger werden, installiert das Land Freiwilligenzentren in allen Bezirken.

Von Anita Heubacher

Innsbruck –Es sind einige Faktoren, die ein ehrenamtliches Engagement bedrohen. Zwar liegt Tirol laut Caritas immer noch zehn Prozent über dem Bundesschnitt, was die Freiwilligenarbeit angehe, in den letzten Jahren habe sie jedoch generell abgenommen, erklärt Caritas-Direktor Georg Schärmer. Immer mehr Frauen sind beruftstätig. Ehrenamt war und ist vor allem weiblich. Die Herausforderungen im Beruf seien gestiegen. „Viele sind nach der Arbeit einfach ausgelaugt und müde.“ Die Sorgen der Menschen würden sich mehr um die eigene Existenzsicherung drehen. „Junge Alte sind zunehmend mit der Pflege ihrer eigenen Angehörigen beschäftigt.“ Auch da hat sich laut Schärmer einiges verschoben. Früher waren die pflegenden Angehörigen 40+ oder 50+. „Jetzt sind sie älter als 60 und pflegen Über-80-Jährige.“

Die Caritas hat Alarm geschlagen, die Landesregierung reagiert. Ab Jänner 2015 werden in allen Bezirken Freiwilligenzentren eingerichtet. Dort soll eine Halbtageskraft die ehrenamtliche Tätigkeit und die Institutionen, die Helfer suchen, koordinieren. In Innsbruck funktioniere das bereits, sagt Schärmer. Im Freiwilligenzentrum müsse man konkrete Angebote schnüren. „Der freiwillige Helfer will aus einem Menü auswählen“, sagt Schärmer. Viele Helfer würden für ein Projekt und nicht auf Dauer zur Verfügung stehen wollen. „Wir bieten Freiwilligenarbeit vom Alpenzoo bis zum Ferdinandeum an.“ Für jedermanns Geschmack und Zeitkontingent. An die 200 Institutionen werden im Freiwilligenzentrum koordiniert. „Das läuft wie an der Börse.“

Laut einer Studie wäre ein Viertel der Jungen bereit, sich für „Mensch und Natur“ einzusetzen. Dieses Engagement gelte es abzuholen, meint Schärmer. Auch an die jungen Alten wolle man verstärkt herantreten. Unternehmen wie Sandoz oder Raiffeisen würden ihren Mitarbeitern kurz vor der Pensionierung ehrenamtliche Arbeit schmackhaft machen, erzählt Schärmer. „Diese Unternehmen geben Interessierten die Gelegenheit, während der Arbeitszeit in ein Ehrenamt hineinzuschnuppern.“

Warum manche Vereine keine Nachwuchssorgen haben, erklärt der Caritas-Direktor so: „Die Schützen und die Feuerwehr haben ein klares Profil. Wer sich dafür interessiert, meldet sich.“ Wer nicht so genau wisse, wo er sich engagieren wolle, müsse abgeholt werden, sagt Schärmer.

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Das Land stellt für alle Projekte in den Bezirken 300.000 Euro zur Verfügung. Am 19. März findet ein Freiwilligen-Schnuppertag statt, am 6. Juni gibt es wieder die Freiwilligen-Messe in Innsbruck.


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