Handwerkerbonus bleibt bei Experten umstritten

Künftig gibt’s für Sanierungsarbeiten im Haushalt bis zu 600 Euro zurück. Die Vergabemethode stößt jedoch auf breite Kritik.

Wien –Anfang des Jahres hat der Linzer Universitätsprofessor Friedrich Schneider noch einen Anstieg der Schwarzarbeit von 5,75 Prozent auf 20,43 Milliarden Euro vorausgesagt. Dass diese Prognose halten wird, ist sich Schwarzarbeitsexperte mittlerweile selbst nicht mehr so sicher, denn mit dem am Dienstag beschlossenen Handwerkerbonus sagt die Regierung der Schattenwirtschaft den Kampf an. Zumindest jener im Handwerk. Diese mache laut Schneider zusammen mit dem Pfusch im Baugewerbe rund 39 Prozent der gesamten Schwarzarbeit aus.

Mit dem Handwerkerbonus werden ab Juli ordentlich versteuerte Handwerkerleistungen finanziell gefördert. Dafür nimmt die Regierung heuer 10 Millionen Euro in die Hand, 2015 sollen die Mittel auf 20 Millionen Euro erhöht werden.

Das Förderprogramm sieht vor, dass jeder, der im Inland einen Handwerker für die Renovierung, den Erhalt und die Modernisierung von Wohnraum in Anspruch nimmt, bis zu 600 Euro von einer Abwicklungsstelle zurückverlangen kann. Dazu gehören zum Beispiel der Austausch von Fenstern, die Erneuerung von Tapeten oder Malerarbeiten. Die Erhaltung oder Modernisierung von Garagen sowie der Neubau und die Erweiterung von Wohnraum sind nicht beinhaltet. Ebenso wenig das verwendete Material. Zurückverlangen kann man ausschließlich die Mehrwertsteuer auf die Arbeitsleistung und die Fahrtkosten des Handwerksunternehmens. Eine Garantie, dass man die Förderung erhält, gibt es jedoch nicht: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ist der Fördertopf für das Jahr aufgebraucht, gibt’s kein Geld mehr.

Gefordert wurde ein Handwerkerbonus schon lange. Die Wirtschaftskammer erhofft sich dadurch Impulse für die schwächelnde Auftragslage im Handwerk. Schneider und die Regierung sehen darin einen Anreiz für Haushalte, Handwerkerarbeiten gänzlich zu versteuern. Doch das „First come first serve“-Prinzip stößt auf breite Kritik. „Die Investitionssicherheit ist so nicht gegeben. Es wird sich zeigen, ob dieses Verfahren wirkungsvoll ist“, sagt Schwarzarbeitsexperte Schneider. Staatsrechtler Theo Öhlinger hält diese Methode in einem Standard-Bericht gar für verfassungswidrig – weil mit dem Gleichheitsgrundsatz nicht vereinbar.

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In der Praxis kennt man das „First come first serve“-Prinzip bereits von der Solarförderung. Dort war das Fördervolumen bereits innerhalb weniger Minuten vergeben. (APA, ecke)


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