Die große Zeit der Trekkingschuhe

Bald der Star unter den kompakten Sternen? Mercedes hat die A-Klasse um sechs Zentimeter höhergelegt und daraus eine Art fünftüriges SUV-Coupé mit sportlichem Outfit gemacht.

Mit der GLA-Klasse hat Mercedes endlich einen attraktiven, markttauglichen Konkurrenten zum BMW X1 und zum Audi Q3.
© Hersteller

Von Walter Schrott

Granada –Über das Kreuz mit dem Kreuz klagen viele. Nicht nur die Medizin hat Gegenmittel parat, auch die Automobilindustrie mit einsteigefreundlichen Modellen. Einer von vielen Gründen, warum die rollenden Trekkingschuhe namens SUV absolute Renner sind. Außerdem: Wer höher thront, hat auch einen besseren Überblick über das Verkehrsgeschehen. War es zunächst der Allradantrieb, der Bewohner alpiner Regionen zu dieser automobilen Spezies hingezogen hat, so sind mittlerweile die hochbeinigen Alleskönner überwiegend mit Frontantrieb unterwegs und im Großstadt­dschungel anzutreffen.

Mercedes bedient die Klientel an sich ausreichend mit Sport Utility Vehicles in den mittleren bis höheren Klassen. Doch die Schwaben spielen virtuos auf dem Nischenklavier und reichen – vergleichsweise spät – mit dem GLA ein Kompaktmodell nach. Mercedes hat dafür die neue A-Klass­e höher­gelegt. Man glaubt es kaum, was sechs Zentimeter Höhenzuwachs ausmachen. Man steigt deutlich lockerer in den GLA und fühlt sich so richtig entspannt auf den bequemen Sitzen. Da werden Erinnerungen an die Ur-A-Klasse mit ihrem Sandwichboden wach, der viele Mercedes-Fans lange nachgetrauert haben.

Der GLA versprüht mit allerlei offroadspezifischen Design-Attributen sportlich-robuste SUV-Optik, lässt zugleich coupéhafte DNA aufblitzen und macht gekonnt auf Jugendlichkeit. Und er ist – auch wenn 70 Prozent der Bauteile mit dem Flachmann-Bruder identisch sind – in der Länge um rund­e zwölf Zentimeter gewachsen. Im Kofferabteil (421 bis 1235 Liter) lassen sich deshalb um fast 80 Liter mehr Ladung verstauen. Der flotte Schwabe erfüllt damit Kriterien für das Prädikat familienfreundlich.

Auf ersten Testkilometern haben wir Unterschiede im Fahrverhalten geortet. Der höhere Schwerpunkt, das Komfortfahrwerk und die nicht ganz so direkte Lenkung lassen nicht ganz jene Sportlichkeit aufkommen, die die konventionelle A-Klasse an den Tag legt. Deren Härte ist in der Mercedes-Klientel umstritten und Sportlichkeit ist ja auch nicht erster Anspruch eines SUV. Dennoch: Der GLA lässt sich souverän bewegen und vermittelt eindrucksvolle Fahrdynamik. Vor allem dann, wenn man sich den neuesten 4Matic-Allradantrieb gönnt, der übrigens Rotweißrot trägt und von Magna stammt. Forstwege und leichtes Gelände schafft der GLA damit locker. Wer Stock und Stein erkunden möchte, wird um das optionale Offroad-Fahrwerk nicht herumkommen, das dem GLA drei cm mehr Bodenfreiheit (gesamt 23 cm) spendiert.

Das Motorenprogramm umfasst zwei Benziner (156 und 211 PS) und zwei Turbodiesel (136 und 170 PS). Alle Triebwerke erfüllen die Euro-6-Abgasnorm und legen mit Verbrauchswerten von 4,3 bis 6,5 Litern bescheidene Trinkgewohnheiten an den Tag. Die Einstiegsmodelle sind mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe kombiniert, alle anderen Triebwerke mit dem blitzschnell agierenden 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Im Juni gesellt sich der GLA 45 AMG zur Flotte. Befeuert vom derzeit stärksten Serien-Vierzylinder der Welt. Das Turbo-Triebwerk leistet 360 PS und treibt den AMG in 4,8 Sekunden an die 100er-Marke.

Ein Blick in die Tarifgestaltung, jeweils exklusive zahl­reicher verlockender Extras: Ab 31.900 Euro ist man dabei (2.0 Benziner mit Front­antrieb). Das obere Ende markiert der GLA 220 CDI mit Allradantrieb, für den mindestens 41.800 Eur­o fällig sind.


Kommentieren


Schlagworte