Dieser Genuss ist ein Muss

Fahrdynamisch ist der Porsche 911 Turbo S ein Meisterstück – Gefahr droht lediglich von Radarkästen, von der heimischen Budgetlage und vom grenzenlosen Überschätzen des Fahrtalents.

Mit Keramikbremsen (PCCB, Porsche Ceramic Composite Brake) weist der 911 Turbo S hohe Standfestigkeit auf.
© Höscheler

Von Markus Höscheler

Buch in Tirol –„Der erste Weg, einer Falle zu entgehen, ist zu wissen, dass es sie überhaupt gibt!“ So lautet ein Filmzitat aus dem Science-Fiction-Film „Dune – Der Wüstenplanet“, inszeniert von David Lynch. Wer so gewarnt in der realen Welt in einen 911 Turbo S von Porsche einsteigt, weiß um die 560 Pferdestärken, die der 3,8-Liter-Turbo-Sechszylinder-Boxermotor im Heck entfesseln kann. Der hat Kenntnis davon, dass ab 2200 Umdrehungen/Minute ein gewaltiges Overboost-Drehmoment von 750 Newtonmetern anliegt. Der ist sich im Klaren darüber, dass das Fahrwerk und der adaptive Allradantrieb sensationelle Fahrmanöver ermöglichen. Der spürt, dass das 240.000-Euro-Fahrzeug in 3,1 Sekunden von null auf 100 km/h sprintet, in 10,3 Sekunden von null auf 200 km/h – und erst bei 318 km/h den Beschleunigungsakt beenden muss. Und derjenige hat schließlich eine Ahnung davon, dass es ein Leichtes ist, mit einem beherzten Gaspedaldruck das gesetzlich erlaubte Tempolimit im Nu zu verletzen.

Doch Wissen allein wäre zu wenig, es brauchte auch Disziplin angesichts der vielfältigen Verlockungen, die der 911 Turbo S bietet. Die Lenkung ist extrem präzise und direkt, erlaubt dadurch zügiges Kurvenfahren. Zusätzliches Vertrauen verdienen das austarierte Fahrwerk, der traktionsfördernde Vierradantrieb und der niedrige Schwerpunkt, den das nur 1,3 Meter hohe Fahrzeug schon im Stand ausstrahlt. Und dann gibt es da noch die Keramikbremsen, die nötigenfalls für eine überdurchschnittliche Verzögerung sorgen. Es sind diese Sicherheitseinrichtungen, die dem Supersportwagen von Porsche höchste Längs- und Querdynamik verleihen und viele Fahrfehler verzeihen – zumindest bei aktiviertem Stabilitätsprogramm (PSM).

Um den Top-911er aus der Fassung zu bringen, bedarf es schon eines hohen Maßes an Ignoranz gegenüber den Vorgaben der physikalischen Grenzen. Innerhalb dieser jedoch ist der Fahrgenuss ein kaum zu übertreffender, nicht zuletzt dank des stilvoll und qualitativ hochwertig eingerichteten Innenraums. Lederbezüge finden sich auf passgenau gestalteten Sportsitzen mit 18-Wege-Verstellbarkeit, natürlich elektrisch. Eine Zweizonen-Klimaautomatik übernimmt die Verantwortung für bekömmliche Temperierung, erforderlichenfalls kann eine Sitzlüftung (zusätzlich zur bereits eingebauten Sitzheizung) eine Kühlungsaufgabe übernehmen. Und um vorausfahrenden Verkehrsteilnehmern nicht unnötig auf die Pelle zu rücken, kann ein Abstandsregeltempomat die gewünschte Distanz schaffen. Der ist jedoch selbst im 911 Turbo S nur eine Option (2245,54 Euro brutto), was dazu beiträgt, den Basispreis des Coupés von 228.690 auf 238.885,75 Euro zu erhöhen. Hätten wir das Geld, diese Falle würden wir gerne zuschnappen lassen.

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