„is“ statt „isch“: Expertin sieht Dialektwandel in Innsbruck

Geht der Dialekt verloren? Jugendliche würden immer häufiger sprachliche Formen des Standarddeutschen verwenden, sagt eine Expertin der Universität Innsbruck.

Innsbruck - Aus dem „isch“ wird das „is“, aus dem „Poschtkaschtl“ das „Postkastl“: In Innsbruck findet bei jungen Menschen ein Wandel der Aussprache statt. Zu diesem Schluss kommt die Sprachwissenschafterin Irina Windhaber laut einem Bericht des Magazins „wissenswert“ der Universität Innsbruck.

Windhaber beschäftigt sich in ihrem aktuellen Dissertationsprojekt unter anderem mit diesem Thema. Immer häufiger würden Jugendliche in Tirols Landeshauptstadt sprachliche Formen des Standarddeutschen verwenden, ältere Varianten der Artikulation würden bei den Jungen beginnen, in Vergessenheit zu geraten. „Vor allem das Wort ‚ist‘ ist stark betroffen“, erklärte die Wissenschafterin vom Institut für Sprachen und Literatur der Uni Innsbruck. Würden Erwachsene tendenziell etwa noch „Mei Schweschter isch krank“ sagen, würden Jugendliche diesen Satz eher so aussprechen: „Mei Schwester is krank“. Auch dem traditionellen „Poschtkaschtl“ sei vom standardsprachlicheren „Postkastl“ der Rang abgelaufen worden.

Irina Windhaber schloss 2012 ihr Diplomstudium der Allgemeinen und Angewandten Sprachwissenschaft an der Universität Innsbruck mit einer Diplomarbeit zu lautlichen und grammatischen Eigenschaften der Innsbrucker Jugendsprache ab. In ihrem aktuellen Dissertationsprojekt beschäftigt sie sich zusätzlich mit der Sprache der älteren Innsbrucker Generationen und versucht, Wandelerscheinungen nachzuzeichnen. Außerdem beschäftigt sie sich im Rahmen des Forschungszentrums HiMAT mit den Wechselwirkungen zwischen Bergbau und Namenkunde.

Dass Jugendliche immer mehr dazu tendieren, die traditionellen Formen der Aussprache nicht mehr zu verwenden, führt Windhaber auf „Regionalisierung“ zurück. Mit dem wissenschaftlichen Begriff bezeichne man eine Strömung, die bereits in ganz Europa zu erkennen sei. Mundarten würden generell zurückgehen und beginnen, sich auszuwaschen. Sprachliche Merkmale, die in größeren Regionen vorkommen, würden dabei in kleinere Dialektgemeinschaften übernommen. Durch den Einfluss von Wien, München, aber auch des Fernsehens, beginnen sich Formen des Standarddeutschen immer mehr durchzusetzen, heißt es in einem Artikel der Universität Innsbruck. Eine so genannte „Standardisierung“ sei, laut Irina Windhaber, zu erkennen. Innsbruck sei im Vergleich zu anderen Regionen in Europa keine Ausnahme.

Laut Windhaber sei im Zuge ihrer Untersuchungen auch aufgefallen, dass Männer in Innsbruck häufiger traditionelle Formen der Aussprache verwenden als Frauen. Letztere hätten sich bereits mehr dem Standarddeutschen angepasst. Zudem sei es wichtig darauf hinzuweisen, dass sich die wissenschaftlichen Ergebnisse ausschließlich auf den Dialektraum in Innsbruck beziehen. In anderen Teilen Tirols könne die Situation noch ganz anders sein, meinte die Sprachwissenschafterin. Jedoch werden auch dort bereits einige Tendenzen beobachtet, die darauf hinweisen, dass sich, ebenso wie in Innsbruck, die Mundarten zu vermischen beginnen. (tt.com, APA)


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