Genaue Blicke hinter die Kulissen

Im Bezirk Kitzbühel werden jährlich 400 Lebensmittelkontrollen durchgeführt. Dabei wird vor allem den Gastronomiebetrieben ein gutes Zeugnis ausgestellt. Schwarze Schafe gibt es aber immer noch.

Von Harald Angerer

Kitzbühel –Über seinen Besuch freuen sich nicht alle – wenn Gerald Embacher vor der Türe steht, heißt es nicht nur, ein reines Gewissen zu haben. Embacher ist Lebensmittelkontrolleur im Bezirk Kitzbühel. Um die 400 Betriebe prüft er jährlich, zu Beanstandungen kommt es nicht oft. Etwa 30 bis 40 Anzeigen verzeichnet die Bezirkshauptmannschaft.

„Wir haben zwei Hauptaufgaben. Zum einen den Gesundheitsschutz und zum anderen den Schutz vor Täuschung“, sagt Embacher. Nicht weniger als 2400 Betriebe fallen in seinen Zuständigkeitsbereich. Derzeit ist er alleine dafür zuständig, seine Kollegin ist in Karenz. Er kontrolliert überall, wie Lebensmittel ausgegeben werden, also von Wirtshäusern und Hotels über die Küche des Bezirkskrankenhauses bis hin zu Bauernmärkten und sogar Friseursalons.

Den Großteil machen mit 1900 die Hotels und Gastronomiebetriebe aus. „In den vergangenen 22 Jahren habe ich hier eine deutliche Verbesserung festgestellt. Vor allem in den vergangenen zehn Jahren wurde im Bezirk viel in die Küchen investiert“, sagt Embacher. Bei so genannten Vollprüfungen wird von der Küche über das Lager und die Schank bis hin zu den Kühlhäusern und den Lebensmitteln alles genau kontrolliert. „Wenn eine Gefährdung der Gesundheit vorliegt, dann kann ich den Betrieb sofort schließen. Der Wirt hat dann zwar eine Einspruchsmöglichkeit, diese hat aber keine aufschiebende Wirkung“, erklärt Embacher. In den vergangenen gut zehn Jahren sei das aber nicht notwendig gewesen. „Auch hatten wir in dieser Zeit keine größeren Lebensmittelvergiftungen“, sagt der Prüfer und führt dies auf die hohe Qualität im Bezirk zurück.

Aber auch, ob in dem Produkt drinnen ist, was draufsteht, hat er im Auge. In Zeiten von Analogkäse und Schinken­imitaten keine Seltenheit mehr. Doch diese Form der Kundentäuschung gäbe es im Bezirk nicht, versichert Embacher. Alleine im vergangenen Jahr hat er 174 Proben untersuchen lassen. Diese Täuschungen gäbe es vor allem bei Nahrungsmittelergänzungen. „Hier werde ich eher in Reformhäusern oder bei Verkaufspartys fündig. Dass Produkten Wirksamkeiten zugesprochen werden, die sie aber nicht haben“, schildert Embacher. Hier müssten die Betriebe oder Verkäufer mit Anzeigen rechnen.

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Mit ein wenig Skepsis sieht er die Zunahme von so genannten Kleinstgastronomiebetrieben, die keine Konzession brauchen. Hier mangle es oft an der Sachkunde. „Aber auch hier kann man nicht alle in einen Topf werfen. Es gibt auch hier sehr gute Betriebe, aber durch das mangelnde Wissen passieren manchmal Fehler“, sagt der Kontrolleur. Hier würde er sich eine bessere Ausbildung wünschen. Diese attestiert er vor allem den heimischen Köchen. Die Ausbildung in Österreich sei sehr gut, das merke man auch bei den Kontrollen. Wenn der Chefkoch gut ausgebildet ist, passt meist auch alles andere. Hier gäbe es eher Probleme mit Köchen aus anderen Ländern, in denen die Ausbildung nicht so gut ist.

Die Frequenz, wie oft die Betriebe überprüft werden, richtet sich ganz nach dem Prüfergebnis des Betriebes und wie hoch das Gefahrenpotenzial ist. So wird die Krankenhausküche jährlich kontrolliert, da sie extrem viele Menschen versorgt. Kleinere Betriebe hingegen nur alle fünf Jahre. „Schneidet einer aber bei einer Prüfung schlecht ab, kann es auch sein, dass das Intervall auf zwei Jahre gesenkt wird. Bei gutem Abschneiden kann es auf sechs Jahre verlängert werden“, sagt Embacher und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Dort, wo alles passt, sind wir meist auch gerne gesehen.“

Eine positive Entwicklung sieht er bei den Bauernmärkten und Festen. „Die Zeiten, in denen die Bierkrüge zum Reinigen durch eine Badewanne gezogen wurden, sind vorbei“, sagt er. Hier habe das Verhalten der Konsumenten beigetragen. Diese seien deutlich kritischer geworden und das Hygiene-Verständnis habe sich verbessert.


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