Nicht jeder, der auszieht, wird ein Held

Fabian Hischmann hat mit einem Pop-Roman-Nachzügler Chancen auf den Leipziger Buchpreis.

Innsbruck –„Man soll nur über das schreiben, was man kennt.“ Das hat Emily an der altehrwürdigen Columbia University gelernt. An der Hemingway-Floskel will sich die angehende Autorin orientieren und sich für ihre Geschichten auch der Erfahrungen anderer bedienen. Aber bei Max, den sie in einer New Yorker Bar kennen lernt, stößt der Creative-Writing-Humbug an seine Grenzen. Max hat wenig zu erzählen, er geht lieber zu „Pizza Hut“. Nach einer zu kurzen Nacht macht er sich aus dem Staub.

Wobei, es ist nicht so, dass in seinem Leben nichts passiert wäre. Kurz vor dem Treffen mit Emily brachte er in einer obskuren Robin-Hood-Aktio­n einen Zuhälter zur Strecke – gewissermaßen als Selbst­therapie, denn vor Jahren hat er angesichts eines gewalttätigen Übergriffs als Held versagt. Aber von diesem Schwenker in Richtung Kolportage darf man sich nicht täuschen lassen: Fabian Hischmanns Debütroman „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ ist kein Thriller, sondern ein etwas verspäteter Adoleszenzroman. Ob die aus popkulturellen Versatzstücken zusammengebastelte New-York-Episode wirklich stattgefunden hat oder nicht vielleicht doch der Fantasie des laut Eigendefinition „labilen Lehrers“, der Schüss­e hört, die keiner abgefeuert hat, entsprungen ist, bleibt offen. Es könnte einer dieser Träum­e sein, die Max seit seiner verpassten Heldentat peinigen. Inzwischen ist er 29 und wird – spät, aber doch – vom unbarmherzigen Räderwerk des Schicksals gezwungen, Sofa und Selbstbefriedigung zurückzulassen und sich dem Leben zu stellen. Er geht zurück in sein Heimatdorf, trägt seine Eltern zu Grabe, heult, säuft, taumelt, durchlebt pubertäre Gefühlsverwirrungen ein zweites Mal und steuert zwar ziellos, aber unausweichlich auf ein rührendes Happy End zu. Das Außergewöhnliche bleibt bei Hischmanns für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Roman eine Episode. „Am End­e schmeißen wir mit Gold“ gehorcht dem Regelwerk des deutschen Pop-Romans, dessen kurze Blütezeit über ein Jahrzehnt zurückliegt: Es geht um die nachträgliche Überhöhung des Alltäglichen, die Stilisierung des Ordinären und um die zartbittere Einsicht, dass es auch für Menschen ohne die Veranlagung zum Helden nie zu spät ist, dem Ernst des Lebens die Stirn zu bieten. (jole)

Fabian Hischmann. Am Ende schmeißen wir mit Gold. Berlin Verlag, 254 Seiten, 19.60 Euro.


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