Schlupflöcher in fremde Disziplinen

Innsbruck – Die ersten Paradiesvögel, das lehrt die aktuelle Ausstellung im Zeughaus, wurden im 16. Jahrhundert ohne Beine und Flügel aus Ne...

© TT / Thomas Boehm

Innsbruck –Die ersten Paradiesvögel, das lehrt die aktuelle Ausstellung im Zeughaus, wurden im 16. Jahrhundert ohne Beine und Flügel aus Neuguinea nach Europa transportiert, um die begehrten Prachtfedern besser zur Geltung zu bringen. Gabriele Sturm scheint zumindest ein paar Beinchen wiedergefunden zu haben, als sie in den naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen stöberte. Was freilich genauso assoziativ zu verstehen ist wie manch andere Schaustücke, die Sturm in ihr dichtes Referenzsystem „The Taste of Paradise“ flicht.

Die in Wien lebende gebürtige Lienzerin, die an der Akademie der bildenden Künste bei Markus Prachensky und Heimo Zobernig studiert hat, beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Paradiesvögeln. Die Zeughaus-Schau hat sie dazu bewogen, bei den Landesmuseen anzuklopfen. Die ihr prompt das Foyer des Ferdinandeums zur Verfügung stellten, das Sturm nun mit einer Raum-Collage bespielt, die von formalästhetischen Untersuchungen, etwa an dem mit minimalen Eingriffen versehenen Arbeitsmaterial von Ornithologen, über sozialökonomische Fragestellungen bis hin zu kunsthistorischen Bezügen reicht.

Exponate aus den Sammlungen sind mit solchen kombiniert, die Sturm von eigenen Reisen nach Papua-Neuguinea mitgebracht hat. Quer durch den Raum ist ein Maschendrahtzaun gespannt, wie man ihn in dem pazifischen Inselstaat offenbar häufig antrifft, auch als Versuch, die Kriminalität einzudämmen. Er bietet Schlupflöcher – für Vögel und anderes Getier, aber auch ins Reich der Vorstellungskraft. Die man auch braucht, um die Zusammenhänge zwischen einem Fangnetz, das über einem Fußballfeld schwebt, zu erahnen, sofern man nicht über genauere Kenntnisse über die wirtschaftlichen Beziehungen des Landes zu China verfügt.

Der Dialog der Disziplinen, der unterschiedlichen Museumssammlungen, ist das erklärt­e Ziel der neuen Hauptkuratorin der Landesmuseen, Helena Pereña. Mit Sturms spontaner Interventio­n ist diesbezüglich ein reizvoller Anfang gemacht. Sinnvoller, weil direkter erlebbar, wäre es freilich gewesen, sie räumlich an die Zeughaus-Schau anzubinden. Vielleicht auch das Zukunftsmusik. (jel) Bis 16. März.

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