Der ehrliche Schmerzpatient

Nach dem Weltcup-Parallelslalom am Patscherkofel stehen am Wochenende FIS-Slaloms in Mutters an. Protagonist Manfred Pranger muss wegen Rückenschmerzen wohl passen.

Von Alex Gruber

nnsbruck – „Gemma no amol Pranger-schau’n. Wer weiß, wie lange der Manni no fährt“, könnte man im Tiroler Volksmund zwischen den Zeilen lesen, was sich viele denken. „Es ist schwer, zu sagen, ich hau’ den Hut drauf“, sagt der Gschnitzer selbst. Nach einem mehr als durchwachsenen Weltcup-Winter, keinem Olympiastart und einmal mehr gepeinigt von Rückenschmerzen („nach dem Slalom in Schladming habe ich nicht einmal mehr sitzen, sondern nur liegen können“) legt einem der Verstand das Karriereende des 36-jährigen Slalom-Weltmeisters (Val d’Isère 2009) nahe.

„Im Moment denke ich nur an Kransjka Gora“, blickt Pranger selbst der nächsten Weltcup-Station in Slowenien (Slalom am 9. Februar) entgegen. Es würde aber schon ein Top-5-Resultat nötig sein, um sich für das WC-Finale in Lenzerheide (SUI, 12.–16. 2.) zu qualifizieren. „Die Startnummern werden nicht besser“, gibt Pranger preis, der zumindest gemeinsam mit seinen beiden Kindern Laura (7) und Mario (5) in der Freizeit schmerzfrei Ski fahren kann.

„Man stellt sich natürlich immer wieder die Sinnfrage. Mit 32 kannst du die Schmerzen noch kompensieren, mit 33 ein bisschen, dann kommt eine Hüft-OP und jetzt werde ich 37“, schwelgt Pranger in Gedanken, die reich an schmerzvollen Erfahrungen sind. „Die Fehler in den Rennen sind mir dann auch oft passiert, wenn ich wieder einen Stich bekommen habe. Ich bin 14 Jahre im Weltcup unterwegs und habe immer gekämpft“, sagt einer, der stets das Messer zwischen den Zähnen hat. Nicht nur im Starthaus als trampelnder Vulkan.

Es ist die Leidenschaft, die Pranger immer und immer wieder bei aller Pein zurück auf die Piste getrieben hat. So auch bei den letzten Trainingstagen, ehe sich der lädierte Rücken wieder zu Wort meldete. „So wie es ausschaut, muss ich für Mutters passen. Ich möchte in bester Verfassung in Kransjka Gora noch einmal zeigen, was ich kann.“ Sollte sich sein Kreis im Weltcup-Zirkus tatsächlich schließen, beginnt ein neues Leben. Motto: Einmal ein Kämpfer, immer einer.

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