Beagle und Bengel mit Paradoxon

Mit „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman“ hat Rob Minkoff einen feinen Animationsfilm geschaffen.

Innsbruck –Kinder wünschen sich natürlich einen Hund als Spielgefährten, den sie später mit dem Erlernen sinnloser Kunststücke auch quälen wollen. Mr. Peabody ist schon im Tierheim als leidenschaftlicher Leser verhaltensauffällig, weshalb der Beagle einer ungewissen Zukunft entgegensieht. Der Köter kompensiert die Zurückweisung mit Wissenschaft. Auf dem Höhepunkt des Ruhms (Nobelpreis) spielt ihm das Schicksal in einem Karton das Findelkind Sherman zu. Ein weiser Richter entscheidet zu Recht, wenn Kinder Hunde adoptieren dürfen, steht einem Hund auch ein Kind zu.

Beagle und Bengel vertreiben sich die Zeit mit pädagogisch wertvollen Zeitreisen zu den Gründervätern der amerikanischen Nation, scheuen aber auch vor einem Besuch bei Marie Antoinette am Vorabend der Französischen Revolution nicht zurück. Daher überrascht es nicht, dass sich das Kind an seinem ersten Schultag mit seinem Wissen und ungebremsten Eifer als Nervensäge erweist. Ein Wort ergibt ein Schimpfwort, das bald den Gruppenstatus des Kindes definiert: „Du bist ein Hund!“ Emotional in die Enge getrieben, reagiert Sherman als Beißer und bei solchen Konflikten mischt sich bald das Sozialamt ein, das in der Regel opportunistische Entscheidungen trifft. Damit nimmt der Film Tempo auf.

Sherman packt seine Lieblingsfeindin Penny in die Zeitmaschine, will ihr das alte Ägypten und Troja zeigen, doch geblendet vom Glanz der Pharaonen, willigt diese in die Ehe mit Tutanchamun ein, der bekanntlich durch kostbare Grabbeigaben in Erinnerung geblieben ist. Durch einen Zickzackkurs zwischen Pyramiden, Paris und einem Zwischenstopp bei Leonardo in Florenz entsteht ein Zeitparadoxon, das auch auf dem Times Square in New York nicht zu lösen ist. Die berühmten US-Präsidenten Lincoln, Washington und Bill Clinton solidarisieren sich in einem aufwühlenden Filmzitat („Ich bin ein Hund!“) mit dem Beagle, nur ein Gladiator behauptet, Spartakus zu sein.

Rob Minkoff schmückt seine abendfüllende Version einer TV-Kinderserie aus den 60ern mit Verbeugungen vor ähnlichen Unternehmen wie „Time Bandits“ von Terry Gilliam oder „Verrückte Geschichte der Welt“ von Mel Brooks, der im Original Albert Einstein seine Stimme leiht. Mit witzigen Einfällen wie dem Trojanischen Pferd im Trojanischen Pferd vermittelt Minkoff eine einfache Botschaft, die Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Spaß machen kann: Mit etwas Toleranz könnte die Welt ein gemütlicher Platz sein. (p. a.)

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Kommentieren


Schlagworte