Dauer-Rabatte setzen dem Möbelhandel schwer zu

Der Verdrängungswettbewerb mit hohem Preisdruck und die steigende Bedeutung des Internethandels führen zu einem Umbruch in der Branche.

Von Beate Troger

Innsbruck –Rabattschlachten ohne Ende und omnipräsente Werbeeinschaltungen. Allein die Inseratenflut und Spots in Dauerschleife spiegeln den Verdrängungswettbewerb im heimischen Möbelhandel wider. Doch die Branche steht vor einem Wandel. Nicht nur der anhaltende Trend zum Online-Shopping, sondern auch strukturelle Probleme setzen den Unternehmen schwer zu.

Der Kika-Leiner-Gruppe geht es nicht gut, der neue Eigentümer Steinhoff aus Südafrika will ein großes Sparprogramm durchbringen. „Der heimische Möbelhandel weist eine besonders hohe Dichte auf, die Standorte sind sehr großflächig“, weiß Wolfgang Richter, Geschäftsführer des Marktforschungsinstitutes Regioplan. Nach starkem Flächenwachstum in den vergangenen Jahren habe sich die Expansion nun rapide abgekühlt, sagt der Experte zur TT. Der permanente Preisdruck der „Großen drei“ XXXLutz, Kika/Leiner und Ikea lässt seit Jahren den Umsatz bei jährlich 4,4 Mrd. Euro stagnieren. Die Verteilung der Marktanteile gilt als umstritten, weil die großen Ketten keine Zahlen veröffentlichen.

Branchenkennern zufolge dürfte Kika künftig in Richtung Möbeldiskonter getrimmt werden, um mit Möbelix oder Mömax Schritt halten zu können. Leiner konnte sich hingegen als edlere Linie klarer positionieren. Während sich der österreichische Platzhirsch XXXLutz auf Deutschland konzentrierte, ging Kika in den südosteuropäischen Raum und wagte sich sogar nach Moskau und Saudi-Arabien. Um Konkurrenten nicht das Feld zu überlassen, hielt Kika offenbar zu lange an unrentablen Standorten fest.

In Tirol halten sich zwischen den Branchenriesen XXXLutz, Kika-Leiner und Ikea die regionalen Möbelhäuser Wetscher und Föger seit Jahren stabil. „Der Tiroler Möbelkunde hat den Kampf rund um Fantasiepreise durchschaut“, meint Föger-Geschäftsführer Bernhard Fischer. „Niemand kann auf Dauer 50-Prozent-Aktionspreise bieten“, sagt er in Anspielung auf die Dauer-Rabatte der großen Mitbewerber. Neben den großen Filialisten würden auch immer mehr Tischler, aber auch Accessoire-Händler wie Butlers, Interio oder Depot ins Möbelsegment drängen. „Die Familienbetriebe können sich aber mit Qualität und Service von den Großanbietern absetzen“, ist er überzeugt.

Den Dauer-Preiskampf betrachtet Fischer kritisch. „Einfach laut zu schreien, ist die simpelste Art, Werbung zu machen“, sagt der Möbelexperte und weist darauf hin, dass alle Händler in der Branche denselben Listenpreis für Sofas, Schränke und Betten bezahlen: „Aber nicht alle preisen es dem Kunden als Rabatt an.“ Georg Emprechtinger, Vorsitzender der österreichischen Möbelindustrie, warnte, dass bei den andauernden Minus-50-Prozent-Aktionen der Kunde nicht mehr wisse, was der adäquate Preis für ein Qualitätsprodukt sei.

Im Tiroler Möbelhandel spiele das Internet „frei Bordsteinkante“ noch eine untergeordnete Rolle, sagt Föger-Boss Bernhard Fischer. Laut Regioplan-Daten erreicht der Online-Möbelversand aber bundesweit bereits einen Anteil von sechs Prozent. „Vor allem Accessoires von Bettwäsche bis zum Besteck oder Dekoartikel verlagern sich verstärkt ins Internet“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Richter. Dieser Trend werde mittelfristig auch zu einem Flächenschrumpfen führen.


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