Frauen müssen sich hinten anstellen

Nur etwas mehr als jede zehnte Position in Aufsichtsräten wird von einer Frau besetzt. Das zeigt eine neue Studie der Arbeiterkammer.

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Wien –„Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben“, hatte EU-Kommissarin Viviane Reding 2008 gesagt. „Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.“ Glaubt man den jüngsten Zahlen, ist Österreich davon noch weit entfernt.

Jährlich wird am 8. März der Internationale Frauentag gefeiert, der rund um den Ersten Weltkrieg entstand. Damals wurde für das Frauenwahlrecht gekämpft. Heute rücken andere Schwerpunkte in den Fokus. Vieles dreht sich dabei um die Karrierechancen von Frauen und Männern.

Die Arbeiterkammer Wien (AK) veröffentlichte im Vorfeld des Weltfrauentages dazu eine Studie. Die Zahl der Chefinnen bleibt demnach ein weiteres Mal auf konstant niedrigem Niveau. In den Aufsichtsräten der 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs erhöhte sich der Frauenanteil im Jahr 2014 nur marginal. Nur etwas mehr als jede zehnte Position (13,9 Prozent) wird in Aufsichtsräten von einer Frau ausgefüllt. In fast einem Drittel der Spitzen-Unternehmen sind überhaupt alle Führungspositionen männlich besetzt. In den Geschäftsführungen ist der Frauenanteil noch niedriger (siehe Grafik).

Die AK drängte in einer Aussendung daher auf eine gesetzliche Geschlechterquote von 40 Prozent bei der Besetzung von Aufsichtsratsmandaten. Die Einführung sollte schrittweise erfolgen und bei Nichteinhaltung sollten wirksame Sanktionen, wie spürbare Geldstrafen oder eine Eintragung im Firmenbuch, drohen. „Mit Selbstverpflichtung und Freiwilligkeit kommt Frau in Österreich offenbar nicht weiter“, erklärte AK-Vizepräsidentin Dwora Stein.

Auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) bekräftigte ihren Wunsch nach Maßnahmen, um den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. „Noch immer muss man Frauen in Österreichs Chefetagen mit der Lupe suchen“, sagte Heinisch-Hosek und forderte ebenfalls Quotenregelungen auch in der Privatwirtschaft. Sie zeigte sich erfreut über die Ergebnisse für die staatsnahen Betriebe, in denen der Frauenanteil in Aufsichtsräten bei 33 Prozent liegt. „Das belegt wieder einmal, dass Quotenregelungen wirken“, sagte die Ministerin.

Ebenfalls in den Fokus rückt anlässlich des Frauentags das Thema der Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern. Das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) beleuchtete es jüngst in einer Statistik. Die Daten stammen aus 2012. Demnach belegt Österreich im Vergleich aller EU-Staaten mit 23,4 Prozent den vorletzten Rang. Nur Estland hat mit einem noch größeren Lohnunterschied zu kämpfen. Österreich gehört damit weiterhin zu Europas Schlusslichtern. Vom EU-Schnitt von 16,4 Prozent Lohnunterschied ist man weit entfernt. Den geringsten gibt es in Slowenien mit 2,5 Prozent.

Die Gründe für die schlechtere Bezahlung von Frauen sind laut Eurostat vielfältig und in den Mitgliedsstaaten unterschiedlich. Entscheidend ist etwa die Art von Jobs, die Frauen ausüben, wie bestimmend eine Schwangerschaft für den Verlauf von Karrieren ist oder auch, wie viele Frauen dem Familienleben eine höhere Priorität einräumen. Ein oft geäußertes Argument, Statistiken würden deshalb eine Gehaltsschere ausweisen, weil Teilzeit- und Vollzeitjobs vermischt würden, bestätigen die Daten von Eurostat nicht. Auch bei Vollzeitjobs werden Frauen in den meisten EU-Staaten schlechter bezahlt. In Deutschland laut Eurostat etwa um 20 Prozent, für Österreich liegen diese Zahlen nicht vor. (APA, mats)


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