Standpunkte zur Sanna klaffen weit auseinander

Projektentwickler bestätigt die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks. Unter den Gegnern finden sich Touristiker, Wildwassersportler und Anrainer.

Von Helmut Wenzel

Pians, Landeck –Mitte Mai 2013 hat der Tiroler Projektentwickler Infra erstmals die Pläne zum Sannakraftwerk vorgestellt. Die Investitionskosten für das Kraftwerk mit Wasserfassung bei Wiesberg und Krafthaus in Landeck-Perjen sollen bei 90 Mio. Euro liegen. Erwartet wird eine jährliche Stromproduktion von 83 Gigawattstunden (GWh), womit rund 24.000 Haushalte versorgt werden könnten. Betreiber ist die Wasserkraft Sanna GmbH mit Sitz in Landeck, an der die Gemeinden Landeck, Zams, Tobadill, Grins, Stanz, Pians und Strengen eine Beteiligungsoption haben.

Gestern Freitag hat der Projektentwickler Infra abermals die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks hervorgehoben: „Der Vergleich mit anderen Energieformen zeigt, dass Wasserkraft auch in Zukunft rentabel sein wird“ sagte Geschäftsführer Gerhard Langer. „Auch wenn der Strompreis heute niedrig ist, Wasserkraft hat von allen erneuerbaren Energieformen die geringsten Kosten im Verhältnis zur Stromproduktion.“

Die so genannten Stromgestehungskosten liegen, so Langer, beim Sannakraftwerk im Bereich von 0,044 Euro pro Kilowattsunde. Auch bei den spezifischen Kosten liege das Kraftwerk mit einem Kennwert von 1,08 Euro pro Kilowattstunde in einem wirtschaftlich guten Bereich.

Mehrfach haben sich kritische bzw. ablehnende Stimmen zum Projekt zu Wort gemeldet, etwas die Initiative „Sicherheit für Sanna und Lattenbach“, die bereits mehr als 300 Protestunterschriften gesammelt hat.

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Geschäftsführer Andy Murray sieht die Existenz seiner Landecker Outdoor-Firma bedroht. Auf seine Online-Petition haben 1335 Unterzeichner reagiert. Der TVB Tirol-West erklärte: „Sollte mit dem Sanna-Kraftwerk kein Wildwassersport mehr möglich sein, dann hat das direkte negative Auswirkungen auf den Tourismus.“

Auch Landecks Grüne mit LA Ahmet Demir und Wolfgang Egg haben sich positioniert: „Wir setzen uns für eine lebendige Sanna ein und wollen kein Kraftwerk.“ Auf kritischer Distanz stehen zahlreiche Fischer bzw. Fischereipächter.

Landecks Wirtschaftskammerobmann Toni Prantauer erklärte: „Die Nutzung der Sanna für den Wildwassersport muss gewährleistet sein. Andernfalls gibt es von uns keine Zustimmung.“

Sollen die Kraftwerkspläne umgesetzt oder in die Schublade gesteckt werden wie bei einem Projekt in den 30er-Jahren? Oder gibt es eine Kompromissformel, mit der alle Sanna-Nutzer leben können? – „Genau das ist unser Ziel“, sagte gestern Hans Bayer von der Infra.

Die TT lädt zu einem weiteren Forum – am Mittwoch, 5. März, 20 Uhr, im Pianner Gemeindesaal. Chefredakteur Alois Vahrner moderiert den Abend, Podiumsteilnehmer sind BM Peter Rauchegger, Projektleiter Hans Bayer (Infra), Walter Mathoy (Bürgerinitiative) sowie Günter Kramarcsik als Sprecher der Wildwassersportler.


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