Ötztaler Vogelpark im Anflug

Der Verwaltungsgerichtshof hat als Höchstgericht nun festgestellt, dass der Ötztaler Greifvogelpark nun doch realisiert werden kann. Die Zeit drängt jedoch.

Von Reinhard Fellner

Wien, Umhausen –Der in Umhausen geplante Ötztaler Greifvogelpark ist bereits jetzt eine schwere Geburt und zeigt als Projekt wieder einmal auf, wie schwer es in Tirol bereits ist, neue Ideen zu realisieren. Wurde der Park doch erst durch die Bezirkshauptmannschaft genehmigt und wenig später vom heutigen Landesverwaltungsgericht für unrealisierbar erklärt. Und dies, obwohl vergleichbare Parks in Niederösterreich und der Steiermark – bei gleichen Bundesgesetzen – bereits in Betrieb sind.

Dies sorgte nach dreijähriger Vorbereitungszeit für Verzweiflung und Kopfschütteln in der Region – schließlich handelt es sich ja sogar um ein von der EU gefördertes Projekt. Die regionale Attraktion sollte von der Gemeinde Umhausen und dem Ötztaler Tourismusverband auf einer Fläche von 4100 m² östlich vom Ötzidorf errichtet werden und fortan als Attraktion für das gesamte Oberland dienen. Touristen, Ausflügler und Schüler hätten im Umhauser Vogelpark in einer Arena auf 205 Sitzplätzen Flugvorführungen beiwohnen sollen. Um die Wildtiere nicht unter Stress zu setzen, waren Besichtigungsmöglichkeiten für je fünf Minuten vor und 15 Minuten nach der Flugvorführung eingeplant. Dies alles unter Mitwirkung von geschultem Personal.

Geplant waren über zehn kleine, zwei mittelgroße und fünf große Volieren. Teils noch nicht geschlüpfte Greifvögel von der Greifvogelwarte Riegersburg – wie Bartgeier, Steinadler, Turmfalken oder Mäusebussarde – sollten die Hauptdarsteller der Ötztaler Flugschauen sein. Der einstige Unabhängige Verwaltungssenat klassifizierte den Greifvogelpark rechtlich jedoch als „Zirkus“. Und bei dieser Veranstaltungsart sei das Halten von Wildtieren in Österreich schon seit einiger Zeit verboten.

Der Innsbrucker Rechts­anwalt Michael Goller ging schon alleine wegen gegensätzlicher Entscheidungen in anderen Bundesländern zum Verwaltungsgerichtshof und bat auf etlichen Seiten um höchstgerichtliche Klärung der Rechtslage. Zutreffend hätte die Bezirkshauptmannschaft den Park als realisierbare „sonstige (Tier)veranstaltung“ bewertet.

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Der Verwaltungsgerichtshof gab Goller und dem „Verein für prähistorische Bauten und Heimatkunde in Umhausen“ nun inhaltlich Recht und stellte fest, dass so ein Park kein Zirkus sein könne, da in Umhausen dessen wesentliches Element – nämlich der für die Tiere so belastende Standortwechsel – fehle. Vielmehr sei „die vorliegende Greifvögelschau mit Vorführungen als sonstige Veranstaltung zu werten“.

Für den Umhauser Bürgermeister Jakob Wolf ein Höchstgerichtsentscheid in letzter Minute: „Können wir den Bau nicht bis Ende 2014 fertig stellen und bis März 2015 abrechnen, fallen wir um die gesamte EU-Förderung um. Wir erwarten jetzt schnellstmögliches Handeln der Behörden und werden sofort mit den konkreten Planungen beginnen“, äußerte sich Wolf gegenüber der TT am Freitag zum druckfrischen Erkenntnis.


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