Europas Turbulenzen und Schlingerkurs bei Energie

Langfristig wird eine Preisexplosion bei Energie vorausgesagt. Vorerst aber gibt es wilde Verwerfungen auf den Märkten.

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Brüssel, Wien, Innsbruck –Viele Experten sind sich einig: Es wird wegen beschränkter Energie-Ressourcen und des gleichzeitig steigenden Energiehungers aufgrund der globalen Bevölkerungszunahme und des Aufschwungs von Ländern wie China oder Indien zu massiv steigenden Energiepreisen für Benzin, Diesel, Gas, Heizöl und auch Elektrizität kommen.

Eine solche Entwicklung hatten die Umweltorganisationen und der Club of Rome schon vor über 40 Jahren („Die Grenzen des Wachstums“) vorhergesagt. Die Erde könnte auf eine gigantische Energiekrise mit massiven ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen zusteuern, wenn der Umstieg auf nachhaltige, regenerative Energien nicht beschleunigt wird.

Es kam die Atomkatastrophe von Fukushima und in der Folge die Ankündigung einiger Länder, allen voran Europas wichtigster Wirtschaftsnation Deutschland, die Energiewende einzuläuten. Andere große Staaten, wie Frankreich, bleiben indes voll auf ihrer Atom-Linie oder bauen ihre Kernkraftkapazitäten weiter aus.

Der massive und staatlich gut geförderte Ausbau von Alternativen, wie Solar und vor allem Wind, führte in Deutschland nicht nur zu einer Überlastung der zu schwachen Stromnetze, sondern auch zu kräftigen Kostensteigerungen für die deutschen Stromkunden – und das, obwohl die Preise an den Strommärkten wegen des sprunghaft gestiegenen Angebots unter Druck stehen und Energiekonzerne in Europa teils tief in die roten Zahlen gerutscht sind. Und weil zudem im aktuellen Marktumfeld Energie aus wenig umweltfreundlicher Kohle günstiger ist, werden vielfach nagelneue und weit ökologischere Gaskraftwerke zumindest vorerst eingemottet. Davon betroffen war auch der mehrheitlich im österreichischen Staatsbesitz befindliche Verbund.

Schon bisher fehlten effektive Stromspeicher, die nahezu einzige Möglichkeit waren die sonst nicht unumstrittenen Pumpspeicherkraftwerke (auch in Tirol), um Nachtstrom aus Kohle- oder Kernkraftwerken. Dieser Bedarf hat sich laut EU-Energiekommissar Guenther Oettinger durch die massiven Zuwächse aus Wind- oder Solaranlagen weiter erhöht.

Wohin die Reise wirklich geht, ist im europäischen Energie-Dschungel derzeit nicht auszumachen. Es gibt nahezu überall massive Widerstände gegen Kraftwerks­projekte und Hochleistungs-Stromnetze. Vor allem aber gibt es keine einheitliche und schlüssige Energiepolitik, sondern vielfach sich sogar widersprechende nationale Strategien. Und viel Unsicherheit: Erst diese Woche forderten Berater der deutschen Regierung die Abschaffung der massiven Ökostrom-Förderung. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) unterstütze weder den Klimaschutz, noch fördere es Innovationen in der Branche – Ausgang unklar.

Schlecht für Investoren und Konsumenten, wenn wie im Lotto gilt: Alles ist möglich. (va)


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