Gute Ausbildung ist der Schlüssel

Für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist die Ausbildung noch nicht ausreichend. Über das Problem wurde bei einer Tagung zum Thema Integration diskutiert. Ein Wörgler Verein startet nun ein Projekt.

Wörgl – Aufgrund der erfolgreichen Integrationsarbeit in der Stadt wählte der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) Wörgl als Austragungsort für die Tagung „Erfolgsfaktor Bildung“ des Netzwerkes „Erfolgreich in Österreich“, die sich in Kooperation mit dem Verein Komm!unity mit dem Thema Jugend und Migration auseinandersetzte. Gerade das Problem der teils nicht ausreichenden Ausbildung stand dabei ebenfalls im Zentrum der Tagung.

Das Problem ist auch an den Zahlen der Studie von „Jugend und Migration“ ablesbar, die Lisa Fellhofer präsentierte. Von den 1.154.000 Schülern in Österreich machen jene mit nicht-deutscher Umgangssprache 19,3 Prozent aus, wobei der überdurchschnittlich hohe Anteil in Sonderschulen mit 29,3 Prozent sowie der unterdurchschnittliche Anteil bei AHS mit 15,3 Prozent und Berufsschulen mit 10,6 Prozent auffällt.

„Schlechte Sprachkenntnisse sollen kein Kriterium für den Sonderschulbesuch sein – leider hat sich das über die Jahre aber nicht geändert“, kritisierte dazu Johann Gstir, Fachbereichsleiter Integration beim Land Tirol.

Auf den Universitäten machen Studierende mit nicht österreichischer Herkunft 25 Prozent aus, wobei der Großteil davon aus Deutschland kommt. 45 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund standen 2011 im Erwerbsleben, bei den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund 57 Prozent. Im Vergleich zur österreichischen Studie fühlen sich in Tirol Jugendliche mit Migrationshintergrund weniger gut integriert. Fellhofers Studie ergab, dass 45 Prozent der Österreicher finden, dass Integration sehr gut bis gut funktioniere – erhob aber nicht, warum der Rest das anders sieht.

Keinen Augenmerk auf die Herkunft von Jugendlichen und mehr auf die Leistung legt die Firma SPAR, deren Lehrlingsverantwortlicher für Tirol und Salzburg, Matthias Schwarzmann, am Abend Einblick in die Unternehmenskultur gab. Er bedauerte, dass es immer schwieriger werde, Jugendliche für die Lehre zu motivieren.

Dass fehlende Pflichtschulausbildung dem erfolgreichen Start ins Berufsleben oft im Weg steht, schilderte die stellvertretende Leiterin des Arbeitsmarktservices in Kufstein, Margit Exenberger: „Dabei ist die Familie oft ein Hindernis.“

Zielgerichtet auf dieses Problem ist das Projekt Elternwissen des Vereins Komm!unity, der in der Migrationsbevölkerung Bildungsberater ausbildet und Bildungspartys mit Eltern veranstaltet. „Das Ziel ist, klar zu machen, wie wichtig Bildung ist“, erklärt Klaus Ritzer, Geschäftsführer des Vereins, der mit Projekten Integrationsarbeit auf unterschiedlichen Ebenen leistet. „Wir setzen mittlerweile das fünfte EU-geförderte Integrationsprojekt um“, erklärt Kayahan Kaya, bei Komm!unity Ansprechpartner für Integration. Dazu zählte 2013 das Projekt natürlich.gemeinsam in Kooperation mit Wörgler Vereinen, das 600 Teilnehmer erreichte und bei der Freizeitgestaltung ansetzte. In Vorbereitung ist die Ausbildung von Energieberatern mit Migrationshintergrund. „Wir haben in Wörgl Einrichtungen, die Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Weg ins Arbeitsleben unterstützen“, erklärte Ritzer. Auch im Jugendzentrum sei das Thema Übergang von der Schule ins Berufsleben präsent.

In der Diskussion wurde kritisiert, dass es wenige Angebote zum Nachholen des Hauptschulabschlusses gebe und Mädchen mit Kopftuch keine Chance auf eine Lehrstelle hätten. Darauf angesprochen, argumentierte Matthias Schwarzmann, dass bei SPAR das Tragen von Kopftüchern aufgrund der hygienetechnisch vorgeschriebenen Berufsbekleidung nicht erlaubt ist. Was aber nur selten Thema sei: „In acht Jahren gab es nur zwei diesbezügliche Anfragen.“

Mit dem Ergebnis der Tagung nicht glücklich war hingegen Komm!unity-Obfrau Irmi Moritz, die gern einen Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf dem Podium sitzen gesehen hätte: „Hier wurde viel über Migranten geredet, aber nicht mit Migranten. Nur statistische Zahlen zu wissen, ist zu wenig.“ (vsg, wo)


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